Leidende und Liebende
Oslos Opernhaus soll mehr sein als nur ein Musentempel – begehbares Wahrzeichen der Stadt und gesellschaftlich relevanter Ort der Begegnung. Nach einigen schwierigen Jahren inklusive Corona-Pandemie zeigt sich das nun mit neuem Führungsteam auch in der Programmgestaltung.
Zur Spielzeiteröffnung kam ein Sujet auf die Bühne, das den Alltag vieler Menschen, nicht aber den offiziellen Diskurs bestimmt: «Fram» schildert die Welt- und Lebenswahrnehmung von Ameli, einer Frau, deren Leben von körperlichen Gebrechen und zunehmenden Konflikten mit ihrem Umfeld bestimmt wird, schließlich von Demenz.
Die Uraufführung in der technisch bestens ausgestatteten «Scene 2», der kleinen Spielstätte des Hauses, nimmt uns in eine Lebenswirklichkeit mit, die für Außenstehende immer fremder und nach innen immer intensiver wird: Ameli, eine pensionierte Soziologin (großartig verkörpert und gesungen durch Hege Høisæter), hat schon immer davon geträumt, den berühmten Polarforscher Fridtjof Nansen auf einer Expedition zu begleiten. Je größer die Beschwernisse im eigenen Haus und später im Heim werden, desto mehr bestimmen diese Träume ihre Realität. Sie trifft Hansen als blinde Passagierin auf seinem Schiff ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Stephan Knies
Die «Ära Mahler» an der Wiener Hofoper, die von 1897 bis 1907 dauerte, gilt nicht nur als nie wieder erreichte Glanzzeit des Hauses, sondern war zugleich ein Meilenstein der Theatergeschichte. Dabei beschränkte sich Mahlers Rolle keinesfalls auf die Ausstrahlung als Dirigent. Gerade als Direktor und Regisseur – Funktionen, die in der Mahler-Biografik stets in den...
Was ist sie doch für ein elegantes Räderwerk, diese Olympia, ein Spielzeug, das selbst spielen will. Mit seinen langen Fangarmen greift es nach dem Künstler und schwingt ihn rund um die eigene Achse. Es beglückt ihn wie die Blumen, die Vögel, die Herzen, die aus den Brüsten und aus tiefer gelegenen Körperregionen schießen im zweiten Akt von «Les contes d’Hoffmann»...
Der Weltgeist thront zu Pferde. Nun ja, nicht ganz, denn das arme Tier entpuppt sich bei genauerem Hinsehen erstens als Maulesel und hat zweitens nur zwei Beine (sie gehören einem bärenstarken Statisten, der sich unter dem Leinenfell verbirgt); auch der General ist nur eine blondgescheitelte Kopie Napoleons ohne dessen majestätische Kopfbedeckung. Aber das macht...
