Lehár: Die lustige Witwe
«Ganz Köln geriet in einen wahren Taumel», schwärmte die Kölnische Rundschau vor fünfzig Jahren über die Operettenkultur des legendären Metropol-Theaters. «Die lustige Witwe» zum Beispiel sei dort in den besten Zeiten en suite 380-mal über die Bühne gegangen. Tempi passati. Wenn sich die heimische Oper letzthin ans so schwere Leichte wagte, hatte die rheinische Frohnatur wenig Grund zur Freude.
Und das soll vorerst offenbar so bleiben: Nachdem das Haus in der vergangenen Spielzeit unter Mitwirkung zahlreicher Promis Offenbachs «Orphée aux Enfers» als kalauernde Jecken-Parade zugrunde richtete, muss jetzt Lehárs Erfolgsstück dran glauben.
Die Regisseurin Jasmin Solfaghari, ehemalige Oberspielleiterin der Deutschen Oper Berlin und frisch an die Leipziger Musikhochschule berufene Professorin, stutzt die bissig-turbulente Farce aus der Endzeit der k. u. k. Monarchie auf biederstes Boulevardniveau. Dass hier ein bankrotter Staat und eine zur dea ex machina verklärte Retterin, die Millionenerbin Hanna Glawari, nicht zufällig das Aktionsfeld dominieren – geschenkt. Kein einziger Versuch, die langen Schatten wahr und ernst zu nehmen, die über der Partylaune im Hause des pontevedrinischen ...
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