Gemeinsam einsam
Er ist einer, der die Welt der Kunstmusik gern auf den Kopf stellt. Der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas tut das immer wieder – immer wieder überraschend und immer wieder fruchtbar. Als im Jahre 2000 die FPÖ in die Regierung des ÖVP-Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel eintrat, komponierte er das mittlerweile legendäre Ensemblestück «In vain», das über längere Strecken in völliger Dunkelheit gespielt werden muss.
Ein Jahrzehnt später trat er bei den Donaueschinger Musiktagen mit dem Konzert «Limited Approximations» in Erscheinung, bei dem sechs im Zwölfteltonabstand gestimmte Klaviere nach der Art von Streichern zu glissandieren schienen, während das Orchester in den Tonhöhen so festgefügt wirkte wie ein Klavier. Seine jüngste Grenzbegehung nun trägt den Titel «Liebesgesang» und ist eine Oper, von der nicht feststeht, ob sie tatsächlich eine Oper ist.
Das von den Bühnen Bern in Auftrag gegebene und jetzt aus der Taufe gehobene Stück – wie «Bluthaus» von 2011, «Thomas» von 2013 und «Koma» von 2016 enstand es in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Händl Klaus – sieht ausschließlich zwei Vokalpartien vor: «Sie» und «Er», mehr nicht. Mutterseelenallein steht das Paar über ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Peter Hagmann
Frau Kulman, erinnern Sie sich noch an Ihren letzten Bühnenauftritt?
Natürlich! Das war am 19. Dezember 2021 in Bamberg, ein Abend mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Jakub Hrůša. Das Haus war wegen Corona nur zu einem Drittel gefüllt. Ich habe ein eigenes Wunschprogramm gesungen und am Ende Mahlers «Wunderhorn»-Lied «Urlicht». Und dann war...
Nicht nur stoische Menschen wissen es: Wer sich in Geduld fasst, erträgt die Zumutungen des Lebens umso leichter. Regisseur Dirk Schmeding lässt die Figuren in Puccinis «Il trittico» daher allesamt geduldig warten. Dazu setzt er sie zu Beginn in einen Glaskasten, ein schmuckloser Warteraum mit Wasserspender. Im ersten Teil darf darin sogar geraucht werden, im...
Kann man die Langeweile von dort verbannen, wo sie geboren wurde? Der Parnass war ihre Wiege» – das lässt Jean-Joseph Cassanéa de Mondonvilles Librettist den Gott der Schmähsucht, Momus, gleich im ersten Akt des «Carnaval du Parnasse» fragen. Und damit ist der Startschuss gefallen für einen tollen, die Langeweile vertreibenden Wirbel, in den Götter und Musen in...
