KOPFTHEATER
Als «naturalistisches Trauerspiel» bezeichnete August Strindberg sein 1889 uraufgeführtes Stück «Fräulein Julie». In knapp gezeichneten Szenen und Dialogen begeben sich die adlige Titelfigur, der von ihr begehrte (und sie begehrende) Diener Jean sowie dessen Verlobte Kristin in ein fein gesponnenes Geflecht aus brodelnden Emotionen, (un)erfüllbaren Hoffnungen; die Frage nach dem (dialektisch aufzufassenden) Machtgefälle zwischen Herr(in) und Knecht läuft dabei als eine Art Basso continuo ständig mit.
Am Ende treibt Jean Julie halb in den Selbstmord, halb erledigt sie dies aus eigenem Antrieb ...
2005 wurde in Brüssel eine Veroperung des belgischen Komponisten Philippe Boesmans auf die Bühne gebracht, in der Regie von Luc Bondy, der gemeinsam mit Marie-Louise Bischofberger auch das Libretto verfasste. Boesmans schrieb eine eher traditionsbewusste Seelenmusik mit vielen Stilzitaten, die aber ob ihrer Hingehauchtheit und engen motivischen Verklammerung doch recht autonom klingt.
In Nancy findet die Neuinszenierung seiner «Julie» an einem Sonntagnachmittag um 15 Uhr statt. Draußen herrscht ausgelassene Wochenendstimmung bei sommerlichen Temperaturen, in der Opéra national de ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Jörn Florian Fuchs
Ursprünglich war die Mainzer Premiere von Luigi Nonos «Al gran sole carico d’amore» für den 14. März 2020 geplant, musste aber nach der Generalprobe wegen des Corona-Lockdowns abgesagt werden. Dass sie nach genau zwei Jahren doch noch stattfand, war ein Glücksfall – für das Haus, für das Stück. Die spiel- und gesangstechnischen Ansprüche der durch Live-Elektronik...
Wiener Spitzen
Wien war für Überraschungen immer gut, auch und gerade was die Besetzungen der Intendanten-Posten in der Opernmetropole betrifft. Wie nun gehen die beiden «Neuen», Lotte de Beer an der Volksoper (ab 2022/23) und Stefan Herheim am Theater an der Wien ihre Intendanzen an? Welche Zeichen wollen sie setzen? Und wie finden sie sich zurecht im Intrigen...
Drei Opern, drei Antlitze des Todes: «Il tabarro» endet mit einem Mord, «Suor Angelica» im Suizid, «Gianni Schicchi» schließlich bekundet Leben und Tod als Zutaten ein und derselben Komödie. Für «Il tabarro» liefert Tobias Kratzer eine präzise Milieustudie der Pariser Seineschiffer. Darin verwoben die ebenso banale wie realistische Dreiecksgeschichte um Michele,...
