Der Blick der Frauen

Elisabeth Stöppler und Hermann Feuchter zeigen Luigi Nonos «Al gran sole carico d’amore» in Mainz als experimentelles Bewusstseinstheater

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Ursprünglich war die Mainzer Premiere von Luigi Nonos «Al gran sole carico d’amore» für den 14. März 2020 geplant, musste aber nach der Generalprobe wegen des Corona-Lockdowns abgesagt werden. Dass sie nach genau zwei Jahren doch noch stattfand, war ein Glücksfall – für das Haus, für das Stück. Die spiel- und gesangstechnischen Ansprüche der durch Live-Elektronik erweiterten Partitur an die Ausführenden sind immens.

Das hellwach spielende Mainzer Staatsorchester und der schlicht überwältigende Mainzer Opernchor haben sie unter der engagierten Leitung des Dirigenten Hermann Bäumer bravourös bewältigt – und das, mit Ausnahme des für den coro piccolo engagierten Pariser Ensembles Les Métaboles, ohne Gäste. 

Nicht geringer ist die szenische Herausforderung, die das spröde, antikulinarische Bewusstseinstheater – Aufschrei, Passion, Requiem und Memorial zugleich – an die Bühne stellt. Hier haben die Regisseurin Elisabeth Stöppler und ihr Bühnenbildner Hermann Feuchter einen Spagat gewagt, der nichts von der politischen und ästhetischen Radikalität des 1975 uraufgeführten Werks preisgibt, aber seine Fragen an die Geschichte unterm Horizont der Gegenwart dennoch neu formuliert. 

Nonos ...

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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert

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