Und nun? Luis Olivares Sandoval (Prinz) und Patricia Andress (Rusalka); Foto: Jörg Landsberg

Kopflastig

Dvořák: Rusalka
Bremen | Theater am Goetheplatz

Opernwelt - Logo

Ein romantisches Seeufer oder ein Schloss mit Park, Loggia und Festsaal sucht der Zuschauer auf der Bremer «Rusalka»-Bühne vergeblich – und stellt fest, dass Regisseurin Anna-Sophie Mahler der Märchenatmosphäre dieser wunderschönen, vielfach unterschätzten Dvořák-Oper offenbar gründlich misstraut. Sie rollt die Geschichte von der Nixe, die ihr Wasserreich um der Liebe Willen verlässt, von ihrem psychoanalytischen Subtext her auf, sieht darin die verschlüsselte Darstellung einer Emanzipation.

Und die geht so: Ein junges Mädchen (Rusalka) will sich von seinem Elternhaus lösen, muss dabei aber nicht nur den Widerstand ihres Vaters (des Wassermannes) überwinden, sondern wird darüber hinaus von ihrer bösen Stiefmutter (der Hexe Jezibaba) mit dem Fluch der Sprachlosigkeit (Bild für Rusalkas Trauma) belegt – und darf, wenn sie es einmal verlassen hat, nie wieder in das Reich ihrer Kindheit (der Geborgenheit) zurückkehren.

Als der Schritt vollzogen ist, läuft alles schief. Der ersehnte Mann (der Prinz) wendet sich noch am Tag der Hochzeit einer anderen zu, der Fremden Fürstin, bei Mahler eine Verkörperung von Rusalkas Ängsten. Rusalkas einzige Rettung wäre, dass sie dem Prinzen den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Emanzipation am Hudson

In Virgil Thomsons Suffragetten-Oper auf ein Libretto von Gertrude Stein geht es, wenn man so will, um eine Frau, die sich in anarchischem Getöse Gehör verschaffen will. Jetzt sorgt R. B. Schlathers erhellende Produktion der «Mother of Us All» (1947) für die frisch renovierte Hudson Hall in der zwischen New York City und Albany gelegenen Kleinstadt Hudson dafür,...

Überwiegend heiter

Für den gebildeten Musikliebhaber stellt sich die Entwicklung des deutschen Kunstlieds im 19. Jahrhundert von Schubert über Schumann, Mendelssohn Bartholdy, Brahms bis hin zu Wolf, Strauss und Pfitzner als ein Kontinuum dar. Doch Graham Johnson klärt im Booklet seines Recitals mit Liedern von Robert Franz darüber auf, dass nach Schuberts Tod (1828) ein Vakuum...

Schokobonbons aus Bergamo

«Donizetti200» heißt das Projekt, das die zweite Ausgabe des neuen Vorzeigefestivals der Stadt Bergamo unter der gemeinschaftlichen Ägide des Künstlerischen Leiters Francesco Micheli und der Fondazione Donizetti ins Leben gerufen hat. Sein Konzept: Bis zum Jahr 2044 soll alljährlich eine Oper des Komponisten zur Aufführung gelangen. Ein ambitioniertes Unterfangen,...