Kollateralschäden

Rameau: Zoroastre
Berlin | Komische Oper

Opernwelt - Logo

Das Größte an dieser letzten zu Lebzeiten des Komponisten aufgeführten Tragédie sei die Musik, sagt Christian Curnyn, der – nach seinem Hausdebüt mit «Castor et Pollux» – zum zweiten Mal als Rameau-Spezialist an die Komische Oper engagierte Gastdirigent aus England. Wohl wahr.

Die schwirrende Harmonik, die klanglichen Kontraste, das Vexierspiel der Instrumente, der bald stockende, bald rasende Puls – dass «Zoroastre» außergewöhnliche Töne anschlägt, ist spätestens seit den auf CD konservierten Plädoyers unter Sigiswald Kuijken (1983) und William Christie (2002) kein Geheimnis mehr. Allein, von der herben Eleganz, von jenem kühnen élan vital, der das Pariser Publikum im Uraufführungsjahr 1749 zunächst verstörte, erst 1756 erfasste, als Rameau und sein Librettist Louis de Cahusac das Stück dem (inzwischen auf italienische buffa-Muster abfahrenden) Zeitgeist angepasst hatten, war in Berlin wenig zu vernehmen. Die ingeniöse Verblendung von Rezitativen und petits airs, der improvisatorische goût der Divertissements, die unendlich differenzierte Sprachmelodie verschwanden in einem zähen Strom. Statt die gleichsam aus winzigen Partikeln montierte «monströse» Modernität der Partitur zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2017
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vor Sonnenuntergang

Auch wenn sich die Assoziation nicht unmittelbar anbietet, mussten wir bei Aufführungen von Debussys «Pelléas et Mélisande» oft an Fritz Kortner denken. «Du hättest Zuckmayer heiraten sollen», ätzte dieser einmal, als Gattin Johanna Hofer sich an einem Sonnenaufgang entzündete. Denn das Misstrauen der Intellektuellen gegenüber einem Übermaß an «Natur» ist groß;...

Was kommt... August 2017

Festivals
Sommerzeit ist Festspielzeit. Von Salzburg bis Santa Fe, von Bregenz bis Bayreuth, von Glyndebourne bis Grange Park, von Aix-en-Provence bis Savonlinna, von Martina Franca bis Mörbisch brummt der Festivalbetrieb

Pavol Breslik
Angefangen hat er als Bariton. Doch längst zählt er zu den interessantesten Tenören der Opernszene, ist nach wie vor der Tamino vom...

Krachende Gaudi

Der Titel einer vor drei Jahren im Verlag Königshausen & Neumann erschienenen Essaysammlung über die «große, komische Oper» des Magdeburger Kapellmeisters trifft die Sache auf den Punkt: «Das ungeliebte Frühwerk». Gewiss, von Zeit zu Zeit tauchte das durch Wilhelm Heinses libertäres «Ardinghello»-Utopia und Shakespeares «Maß für Maß» inspirierte «Liebesverbot» in...