Körperstimmen
Er schafft es immer wieder. Das scheinbar Vertraute neu zu sehen und neu zu hören. Als wären wir ihm nie begegnet. Mozart zum Beispiel schickte er vor ein paar Jahren in die Banlieues. Bach hat er befragt und Monteverdi. Und zuletzt die C(h)œurs von Verdi und Wagner. Ihren Puls, das in ihnen Pochende, aus ihnen Drängende will Alain Platel uns unter die Haut treiben.
Die Wut des Dies irae im Requiem, das Rebellische im Wach auf! der Meistersinger, das Vordergründige des Machtjargons im dritten Lohengrin-Aufzug (Heil! König Heinrich! Heil!) – Platel lässt die Königsweise von einem seiner Tänzer singen, sprachlos, daaa da da daaa, mit brüchiger Stimme, eine geprügelte Kreatur, der der Angstschweiß auf der Stirn steht, als der unsichtbare Chor Für deutsches Land das deutsche Schwert fordert. Hier rückt die Close-up-Einstellung, die Bildregisseur Andreas Morell allzu häufig wählt und damit die Panoramaperspektive, die Tableaus der Masse fast an den Rand drängt, einen von allen entfernten Isolierten in den Blick, ungeschminkt, ausgeliefert kollektiver Hysterie. Die Kameras bleiben den zehn Tänzerinnen und Tänzern der ballets C de la B auch sonst dicht auf den Fersen, ihren spastisch ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Albrecht Thiemann
Auf Ihrer aktuellen CD, einer Hommage an Mario Lanza, sehen Sie aus wie ein Tenor der 50er-Jahre. Auf einem Ihrer ersten Cover trugen Sie dagegen schwarzen Anzug, schwarze Krawatte, fast wie in einem italienischen Mafia-Film. Wer ist dieser Joseph Calleja eigentlich?
Wenn man das immer so genau wüsste! Ich denke, ich bin immer noch der enthusiastische Junge, 13, 14...
Der eine ist ein seit Jahren viel beschäftigter und umjubelter Star der Alte-Musik-Szene, der andere erlebt gerade seinen Karrieredurchbruch. Doch nicht nur hinsichtlich ihres Karrierestatus und Alters unterscheiden sich Max Emanuel Cencic und Valer Barna-Sabadus: Die beiden Sänger stehen für unterschiedliche Ästhetiken des Falsettgesangs. Cencic reiht sich mit...
Selbst ein wirklich spannendes Opernhaus kann nicht immer nur wichtige Premieren vorlegen. Bisweilen müssen einfach auch Interessen bedient werden. Doch die kann man gut eintüten, etwa mit spannenden Sängern, wenn zum Beispiel das Publikum mal wieder eine italienische Oper einfach nur genießen möchte. So wie das jetzt am Brüsseler Théâtre de la Monnaie geschehen...
