Körperstimmen
Er schafft es immer wieder. Das scheinbar Vertraute neu zu sehen und neu zu hören. Als wären wir ihm nie begegnet. Mozart zum Beispiel schickte er vor ein paar Jahren in die Banlieues. Bach hat er befragt und Monteverdi. Und zuletzt die C(h)œurs von Verdi und Wagner. Ihren Puls, das in ihnen Pochende, aus ihnen Drängende will Alain Platel uns unter die Haut treiben.
Die Wut des Dies irae im Requiem, das Rebellische im Wach auf! der Meistersinger, das Vordergründige des Machtjargons im dritten Lohengrin-Aufzug (Heil! König Heinrich! Heil!) – Platel lässt die Königsweise von einem seiner Tänzer singen, sprachlos, daaa da da daaa, mit brüchiger Stimme, eine geprügelte Kreatur, der der Angstschweiß auf der Stirn steht, als der unsichtbare Chor Für deutsches Land das deutsche Schwert fordert. Hier rückt die Close-up-Einstellung, die Bildregisseur Andreas Morell allzu häufig wählt und damit die Panoramaperspektive, die Tableaus der Masse fast an den Rand drängt, einen von allen entfernten Isolierten in den Blick, ungeschminkt, ausgeliefert kollektiver Hysterie. Die Kameras bleiben den zehn Tänzerinnen und Tänzern der ballets C de la B auch sonst dicht auf den Fersen, ihren spastisch ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Albrecht Thiemann
54. Jahrgang, Nr 3
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752253
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61, 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 11.02.2013
Redaktion:
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht...
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