Klingende Kalligrafie

Toshio Hosokawas neues Musik-Theater «Erdbeben. Träume» in Stuttgart, inszeniert von Jossi Wieler und Sergio Morabito, dirigiert von Sylvain Cambreling

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Die Figuren sind alte Bekannte. Wir kennen sie aus Kleists Novelle «Das Erdbeben in Chili». Josephe, das Mädchen aus gutem Hause, und Jeronimo, ihren Privatlehrer, in verbotener Liebe entflammt, Eltern des illegitimen, im Klostergarten gezeugten Knaben Philipp, von König, Kirche und Volk ob dieser Verfehlung dem Tode geweiht. Fernando, den hohen Herrn, und Elvire, dessen versehrte Frau, die Josephe ihr Neugeborenes anvertraut. Auch Constanze, deren Schwester, die das erste Opfer des rasenden Mobs werden soll, der nach Schuldigen für Chaos und Zerstörung sucht.

Oder Pedrillo, den Schuster, der, von einem Hass­prediger aufgehetzt, versehentlich das «falsche», das Kind Fernandos und Elvires an der Kirchenmauer zerschmettert, die Meute zum Mord an den «Sündern» Josephe und Jeronimo treibt und so das eruptive Ende einer für eine Geschichtssekunde aufblitzenden konkreten Utopie besiegelt: gelebte Humanität, über alle sozialen Schranken hinweg. Und die in «Erdbeben. Träume», Toshio Hosokawas fünftem Musik-Theater, von einem Counter kommandierten «sadistischen Knaben» sind natürlich Wiedergänger jener «satanischen Rotte», die bei Kleist in den Trümmern des 1647 verwüsteten Santiago de ...

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Opernwelt August 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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