Kein Ausweg nirgends: Saioa Hernández (Francesca), Josy Santos (Samaritana, re.); Foto: Theater/Klara Beck

Klare Linien, feinste Gesten

Nicola Raab und Giuliano Carella bringen in Straßburg mit Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini» ein Hauptwerk des italienischen «decadentismo» zum Strahlen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich in der europäischen Literatur schwüle Stimmungen breitgemacht. In der italienischen Oper spielte solcher «decadentismo» jedoch nur eine zweitrangige Rolle. Zwar standen die meisten Komponisten in Wagners Bann, doch ein Puccini, im Grunde seines Herzens Kleinbürger, konnte mit jener elitären Strömung nie wirklich etwas anfangen. Seine erfolgreichen Kollegen Leoncavallo und Mascagni, Cilea und Giordano setzten dagegen mit Vorliebe auf grelle Räuberpistolen, die man gerne als «veristisch» klassifiziert.

Besonders offen für dekadente Literatur zeigte sich jedoch Riccardo Zandonai, als er eine radikal gekürzte Fassung von Gabriele d’Annunzios Verstragödie «Francesca da Rimini» vertonte. Diese «Literaturoper», die 1914 in Turin zur Uraufführung kam, darf als sein Hauptwerk gelten. Auch wenn d’Annunzio die berühmte Ehebruchsgeschichte aus dem 13. Jahrhundert um einige sadistische Elemente anreicherte, tendiert der exzessive Ästhetizismus seines Dramas zum Plüsch. Das hatte Konsequenzen für die Inszenierungsgeschichte von Zandonais Oper. Allzu oft gingen Regisseure solchen Tendenzen auf den Leim: pompöse Kostümfeste mit ornamentalem Overkill.

Ganz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Anselm Gerhard

Weitere Beiträge
Nur im Doppelpack

Jede Universität, die etwas auf sich hält, hat heute einen «Dual Career Service». Was um die Jahrtausendwende in den USA aufkam, setzt sich nun auch auf dem alten Kontinent durch. In der Tat ist das Problem offensichtlich: Wenn in einer hochspezialisierten Berufswelt jemand Arbeit an einem Ort findet, ist es weder nachhaltig noch menschenfreundlich, wenn der...

Weise lächelnd

Ein Hauch von Otto Schenk liegt in der Luft. Das schmucke Stadtpalais mit Wintergarten ist 19. Jahrhundert pur. Als Arabellas chancenloser Verehrer Graf Elemer ihr darin im reinsten Richard Wagner-Outfit seine Aufwartung macht, wähnen wir uns gar in der Zürcher Villa Wesendonck und erinnern uns daran, dass der Meister hier seine «erste und einzige Liebe» gefunden...

Von innen aufgespannt

Karl Kraus spitzte seine Feder gerne gegen Gleichberechtigung: «Emanzipierte Frauen gleichen Fischen, die ans Land gekommen sind, um der Angelrute zu entgehen», vermerkte er. Bei den Grazer Bühnen käme er mit diesem Aphorismus kaum an, denn diese führen seit Jahren den Beweis, dass das weibliche Geschlecht auch in früheren Männerdomänen keineswegs den...