Kirche und Bühne
Es ist noch nicht lange her, dass Pergolesis «Stabat mater» wie selbstverständlich zum Repertoire von Opernstars wie Mirella Freni oder Teresa Berganza gehörte und von diesen in jenem Stil gesungen wurde, den sie auch auf der Bühne pflegten. Wie eine Vielzahl von Aufnahmen belegt, ist das Werk mittlerweile zur Domäne von Sängerinnen und Sängern geworden, die sich der Historischen Aufführungspraxis verpflichtet fühlen.
Die jüngste Einspielung mit der auf den Bühnen der Welt als Mimì, Violetta und jüngst auch als Norma und Desdemona umjubelten bulgarischen Sopranistin Sonya Yoncheva und der im sogenannten Belcanto-Repertoire versierten französischen Mezzosopranistin Karine Deshayes scheint dieser Tendenz zu widersprechen. Für die Sopranistin war die Begegnung mit der Musik Pergolesis anlässlich eines im Juni 2016 live mitgeschnittenen Konzerts im Pariser Théâtre des Champs-Élysées aber im Grunde eine Rückkehr zu den Anfängen ihrer Karriere, die von einer intensiven Zusammenarbeit mit William Christie geprägt war. Obwohl die Stimme gereift ist, singt Sonya Yoncheva mit jener detailgenauen Präzision, wie sie für die herausragenden Protagonisten der Alten Musik ...
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