Kirche und Bühne

Pergolesis «Stabat mater» und «Adriano in Siria», geistliche Musik von Leonardo Leo

Es ist noch nicht lange her, dass Pergolesis «Stabat mater» wie selbstverständlich zum Repertoire von Opernstars wie Mirella Freni oder Teresa Berganza gehörte und von diesen in jenem Stil gesungen wurde, den sie auch auf der Bühne pflegten. Wie eine Vielzahl von Aufnahmen belegt, ist das Werk mittlerweile zur Domäne von Sängerinnen und Sängern geworden, die sich der Historischen Aufführungspraxis verpflichtet fühlen.

Die jüngste Einspielung mit der auf den Bühnen der Welt als Mimì, Violetta und jüngst auch als Norma und Desdemona umjubelten bulgarischen Sopranistin Sonya Yoncheva und der im sogenannten Belcanto-Repertoire versierten französischen Mezzosopranistin Karine Deshayes scheint dieser Tendenz zu widersprechen. Für die Sopranistin war die Begegnung mit der Musik Pergolesis anlässlich eines im Juni 2016 live mitgeschnittenen Konzerts im Pariser Théâtre des Champs-Élysées aber im Grunde eine Rückkehr zu den Anfängen ihrer Karriere, die von einer intensiven Zusammenarbeit mit William Christie geprägt war. Obwohl die Stimme gereift ist, singt Sonya Yoncheva mit jener detailgenauen Präzision, wie sie für die herausragenden Protagonisten der Alten Musik  ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Thomas Seedorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Emotionskino

Die Zauberin ist sauer. Sieht sich verhöhnt. Von der Welt, von den Menschen. Zutiefst gekränkt sind Herz und Verstand, ach was, das ganze Ich. Und exakt so klingt Alcina, wenn sie anhebt zu ihrer Arie «Ah, mio cor, schernito sei!» – von Qualen durchglüht. Sonya Yoncheva nutzt die sich bietende Gelegenheit von Beginn an: Inbrünstig seufzend, mäandert sie,...

Durchblick

Handwerk ist das eine. Aber ein wirklich gutes Theaterfoto zeichnet etwas anderes aus. «Es muss den Atem, die Seele einer Produktion einfangen», sagt Monika Rittershaus. «Und zwar so, dass noch ein Geheimnis bleibt.» Das gelinge nicht immer, auch bei den eigenen Bildern nicht. «Es klingt vielleicht etwas hochgegriffen, aber das Tollste ist, wenn ich es...

Das kalte, heiße Herz

In der entscheidenden Szene schweigt das Orchester. Die Pariser Abendgesellschaft auf der Bühne wird von einem Pianisten unterhalten, der sich als Nachfolger Chopins versteht und in der Tat etwas Nocturne-artiges auf die Tasten zaubert – langsam, elegisch in H-Dur beginnend, dann vollgriffig virtuos ausholend. Wie sich später herausstellt, soll er ein Spion...