Kann keine Trauer sein
Als Albrecht Puhlmann im November 2003 zum Nachfolger von Klaus Zehelein als Intendant der Oper Stuttgart designiert wurde, war man allenthalben überzeugt, eine gute, ja ideale Wahl getroffen zu haben. Nach Jahren als erfolgreicher Operndirektor in Basel und wagemutiger Opernintendant in Hannover schien der versierte Dramaturg ein Garant für den intellektuellen Anspruch des Hauses, das unter Zehelein zu einer Hochburg des konzeptionellen Musiktheaters geworden war.
Als Puhlmann mit Beginn der Spielzeit 2006/07 sein Amt antrat, herrschte im Opernhaus bereits ein frostiges Klima, das von der Presse, aber auch von der Politik aufmerksam registriert wurde. Mit einem Kahlschlag in der Leitungsebene wie im Ensemble, der weit übers Haus hinaus Wellen schlug, hatte er sich unnötig Feinde geschaffen. Puhlmanns Entscheidung, sein gesamtes Team – vom Inspizienten bis zum Chefdramaturgen, vom Chefdisponenten bis zum Leiter des Besetzungsbüros –, aber auch einen Großteil der Sänger aus Hannover mitzubringen, während gleichzeitig bewährte Kräfte gehen mussten, war ein taktischer Fehler. Das musste den Eindruck vermitteln, er wolle sich erst gar nicht auf Stuttgart einlassen, sondern da ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Ach, Stuttgart, Seite 42
von Uwe Schweikert
Seit seiner Uraufführung vor hundert Jahren an der Semperoper in Dresden ist «Der Rosenkavalier» eine der beliebtesten Opern überhaupt. Was wirkt wie aus einem Guss, ist jedoch ein Konglomerat verschiedenster und einander widersprechender Einflüsse. Und das nicht nur, weil Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal denkbar unterschiedliche Künstlernaturen waren. Die...
Seit es Regie im modernen Sinn gibt, seit etwa hundert Jahren also, wird sie angefeindet. Der Vorwurf ist im Grunde immer derselbe: zu eigenmächtig, zu weit weg von der Musik. Schon Max Reinhardt bekam das zu hören, so wie später Wieland Wagner oder Ruth Berghaus. Die gegenwärtige Debatte reiht sich da jedoch nicht einfach ein. Sie wird von offenen Geistern...
Das gab es noch nie. Erstmals wurde bei der jährlichen Kritikerumfrage dieser Zeitschrift ein Opernhaus des Jahres gewählt, das außerhalb des deutschen Sprachraums steht: das Théâtre Royal de la Monnaie. Die Entscheidung für Brüssel zeigt: Wichtiger als alles Marketing ist das geistige Profil eines Hauses. Solange die künstlerische Substanz dünn bleibt, nützt die...
