Jung geblieben
Ums große Jubiläum hat Charles MacKay nicht viel Wind gemacht. Der General Manager der Santa Fe Opera ist seit 2008 im Amt, doch die Company in New Mexico wurde in diesem Sommer 60 Jahre alt. Gleichwohl verzichtete man auf ein spezielles Festprogramm, setzte bei den fünf Produktionen auf Repertoirestücke und die bewährte Mischung aus szenischer Kulinarik und Regietheater. Diesmal im Angebot: ein «Don Giovanni» von elementarer, surrealer Wucht, in dem die Mächte der Finsternis offenbar die ganze Menschheit in den Würgegriff genommen hatten (Ron Daniel; Premiere: 2.
Juli); eine augenzwinkernd und höchst wirkungsvoll durch die Brecht-Brille gelesene «Fanciulla del West» (Richard Jones; Premiere: 1. Juli); eine packende Wiederbegegnung mit Samuel Barbers «Vanessa», die hier geradewegs aus einem Ibsen-Drama übergelaufen zu sein schien (James Robinson; Premiere: 30. Juli); eine streitbare Version von Gounods «Roméo et Juliette», die in den Südstaaten vor dem Bürgerkrieg spielt (Stephen Lawless; Premiere: 16. Juli); schließlich eine blitzsauber getaktete Deutung von Strauss’ «Capriccio», die mühelos Elemente des 18. und des 20. Jahrhunderts zusammenspannte (Tim Albery; Premiere: 23. ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 92
von Simon Williams
Endlich ist er in Russland angekommen: Mieczyslaw Weinbergs «Idiot». Zwar gab es 1991 ein paar Aufführungen an der Pokrovsky Kammeroper in Moskau, doch gespielt wurde damals eine stark gekürzte Fassung, die bald vom Spielplan verschwand. Für das russische Publikum ist Weinberg bis heute eher ein namenloser Filmkomponist als Schöpfer von Klavier- und Kammermusik,...
Als Jürgen Flimm 2010 die Intendanz an Daniel Barenboims Berliner Staatsoper antrat, nachdem er die Leitung der Salzburger Festspiele vorzeitig abgegeben hatte, gründete er ein neues Festival mit dem schönen Namen «Infektion!». Devise: «Lassen Sie sich anstecken vom Neuen!» Es war eine durchaus couragierte Initiative an einem Haus, das durch Traditionspflege,...
Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» am Teatro Colón – das hat es noch nie gegeben. Eine Erstaufführung, nicht nur in Buenos Aires und Argentinien, sondern in ganz Südamerika. Die Einzigartigkeit, die außergewöhnliche Qualität dieses Ereignisses kann man nicht genug betonen. Und seine Tragweite besser verstehen, wenn man es aus der Geschichte des Hauses betrachtet.
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