Jubelarien
Huldigungswerke sind eine ambivalente Angelegenheit. Im Lobpreis auf den hochmögenden Herrscher – denn darin allein besteht ihr Zweck – verbirgt sich immer auch eine dem Schöpfer abgezwungene Unterwerfungsgeste. Wohl kaum ein Dichter, kaum ein Compositeur, der seinem Fürsten aus freien Stücken und mit unverstellter Begeisterung einen Lorbeer aus Versen und Tönen geflochten hätte.
Oder etwa doch?
Anno 1772 am Hofe Anna Amalias: Die Herzogin von Sachsen-Weimar und Eisenach, eine über die Maßen kunstliebende und -fördernde Regentin, hat den Dichter Christoph Martin Wieland nach Weimar bestellt – als Erzieher ihres Sohnes, Erbprinz Carl August, dessen Vormundschaft sie zu diesem Zeitpunkt besitzt. Wieland schickt sich alsbald an, anlässlich des 33. Geburtstags seiner Dienstherrin eine die Liebeleien antiker Götter schildernde Verserzählung zu kreieren, in der er Diana, die Göttin der Jagd, Amor und die titelgebende Aurora, Göttin der Morgenröte, im nächtlichen Mondschein umherirren lässt. Letzterer fällt schließlich die Aufgabe zu, den Tag der Geburtstagsfeierlichkeiten einer Anmut wie Vernunft glücklich in sich vereinenden Fürstin herannahen zu lassen. Und so endet das von Wieland ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Werner Kopfmüller
Es ist das Licht. Anders ist es. Heller. Eindringlicher. Freundlicher. Und: strahlender. Wer nur einmal im hohen Norden Europas, sei es in Finnland, Schweden oder Norwegen (wenn nicht gar auf Island, diesem archaischen Zauberreich von Shakespeares Gnaden), eine Mittsommernacht erlebt hat, der weiß, was damit gemeint ist. Dieses Licht leuchtet durch das Dunkel...
Frau Wilson, zu Jahresbeginn wurden Sie in Stuttgart für die Titelrolle von Vivaldis «Juditha triumphans» gefeiert. Die Produktion konnte erst nach mehreren Anläufen und monatelanger Pause herausgebracht werden. Wie motiviert man sich nach so langer Zeit für die Premiere?
Ich fand es anfangs schwierig, sich wieder zu motivieren. Ich sagte mir zwar: Okay, wir haben...
Bodø liegt im Norden Norwegens, ganz nah bei den Lofoten. Bis zum Nordpol sind es 2.526 km. Die Sommertage sind hier lang: Um Mitternacht steht eine blutrote Sonne etwa daumenbreit über dem malerischen Horizont, der von den schwarzen Scherenschnitten der im Meer liegenden Felsen aufgebrochen wird. Untergehen tut sie in dieser Jahreszeit nie. Nahe des Hafens liegt...
