Jenseits des Biedermeier
Unterschiedlicher hätten sie nicht sein können. Ihre einzige Gemeinsamkeit war der Erfolg. Otto Nicolai wuchs in Königsberg unter prekären Verhältnissen auf. Der Vater prügelte ihn und trennte sich früh von der Mutter, für deren psychisches Leiden er ebenfalls verantwortlich war. Das Kind wuchs bei Pflegeeltern auf. Vater und Mutter traten später nur noch in Erscheinung, um Almosen abzukassieren; der Komponist und Gründer der Wiener Philharmoniker unterstützte sie finanziell bis zu seinem Lebensende.
Welcher Kontrast zu Friedrich von Flotow, dem Spross einer mecklenburgischen Familie, deren Vorfahren sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Er bekam eine standesgemäße Ausbildung, der Vater schickte ihn zum Studium nach Paris. Dort unterrichtete ihn eine Koryphäe von europäischem Rang: Antonín Reicha, Jugendfreund Beethovens, Nachfolger Méhuls am Conservatoire und Autor mehrerer Standardwerke zu Kompositionstechnik und Harmonielehre. Dank seiner Pflegeltern kam aber auch Otto Nicolai voran; er fand in Berlin die Unterstützung Karl Friedrich Zelters, wurde Organist in Rom und ein leidenschaftlicher Wortführer des Belcanto. Die Grundsteine seiner Erfolge waren, wie im ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Medien, Seite 44
von Volker Tarnow
Seine beiden bedeutendsten, für Wien entstandenen italienischen Reformopern «Orfeo ed Euridice» (1762) und «Alceste» (1769) hat Gluck 1774 respektive 1776 für Paris revidiert. Während die französische «Alceste» die Urfassung gänzlich von der Bühne verdrängte, führt umgekehrt der «Orphée» nur ein Schattendasein in der Aufführungsgeschichte dieses Werks. Obwohl Gluck...
Es gibt viele Zugänge und Interpretationsmöglichkeiten zu Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray», und die nun in Poznań uraufgeführte Oper der 82-jährigen polnischen Komponistin Elżbieta Sikora auf ein Libretto des Regisseurs David Pountney ist auch nicht die einzige Dorian-Gray-Oper, ganz zu schweigen von den vielen Balletten, Theaterfassungen, Filmen...
Es war kein Ort zum Träumen, eher einer der gefesselten Phantasie: Stickig und klaustrophobisch dürfte es im Haremsbereich der osmanischen Paläste hergegangen sein. Selbst in jenem des Topkapı Sarayı zu Istanbul, obwohl er, vermeintlich großzügig, über 400 Zimmer umfasste. Zwar suggerieren hohe Decken und die elegant mit bunten Kacheln verzierten Wände, dass des...
