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Es klingt ehrlich. Als Johannes Martin Kränzle erfährt, dass er zum «Sänger des Jahres» gewählt wurde, platzt es aus ihm heraus: «Das kann aber gar nicht sein!» Was für ein typischer, bescheidener Satz. Er klingt wie: Es gibt doch so viele gute und berühmtere Sänger, warum kommen Sie gerade auf mich? Stimmt: Es gibt viele gute und berühmtere Sänger. Und trotzdem hat der Bariton bei unserer Kritikerumfrage mehr Voten auf sich vereinigt als Anna Netrebko oder Cecilia Bartoli.
Mehr auch als sein Fachkollege Christian Gerhaher, der ebenfalls eine starke Saison hinter sich hat (und 2010 «Sänger des Jahres» war). Nun also Kränzle. Wieder ein deutscher Bariton. Wieder einer aus Bayern. Wieder ein Sänger, der sich durch Genauigkeit, Stilsicherheit und künstlerisches Verantwortungsgefühl auszeichnet. Und doch ein völlig anderer Weg als bei Gerhaher.
Johannes Martin Kränzle ist seit 24 Jahren im festen Engagement. Und er hat fast zwei Jahrzehnte warten müssen, bis vor drei, vier Jahren der große Durchbruch kam. Späte Genugtuung? Nein, sagt er, und wieder klingt die Bescheidenheit ehrlich: «Beim Sänger kommt es darauf an, welche Aufgaben er hat. Und dann erst darauf, wo er sie umsetzt. Ich ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Sänger des Jahres, Seite 22
von Stephan Mösch
Der junge Händel hat während seines Rom-Aufenthalts 1707/08 zwei Oratorien komponiert: «Il trionfo del tempo e del disinganno» («Der Triumph von Zeit und Enttäuschung») und «La resurrezione» («Die Auferstehung»). Bekanntlich waren im päpstlichen Rom zu dieser Zeit private wie öffentliche Theateraufführungen verboten. Also tarnte man die Opern als geistliche...
Oper im Fernsehen sei keine Oper mehr, fand Theodor W. Adorno. Seit seinem Verdikt ist allerdings viel passiert. Man könnte sogar sagen, dass der Fortschritt der Hightech-Industrie ein neues Sensorium für die alten Formen aristokratischer Unterhaltung geschaffen hat. Die folgende Tour d’Horizon schlägt einen Bogen von den Anfängen des Musikfilms bis zu aktuellen...
Herr Klobucar, Sie haben an der Wiener Staatsoper 1133 Vorstellungen dirigiert. Sie gelten als Rekordhalter. Hat sich die Treue rentiert?
Eigentlich nicht (lacht). Ich habe wegen Wien viele andere Sachen abgesagt. An der Metropolitan Opera hätte ich viel mehr Wagner dirigieren können. Auch «Cavalleria rusticana» – und das noch dazu in der italienischsten Oper der...
