Den Inhalt suchen

Johannes Martin Kränzle ist auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn angekommen. An der Mailänder Scala wird er genauso gefeiert wie an der Berliner Staatsoper. Trotzdem bleibt er seinem Stammhaus treu. Ein Porträt

Es klingt ehrlich. Als Johannes Martin Kränzle erfährt, dass er zum «Sänger des Jahres» gewählt wurde, platzt es aus ihm heraus: «Das kann aber gar nicht sein!» Was für ein typischer, bescheidener Satz. Er klingt wie: Es gibt doch so viele gute und berühmtere Sänger, warum kommen Sie gerade auf mich? Stimmt: Es gibt viele gute und berühmtere Sänger. Und trotzdem hat der Bariton bei unserer Kritikerumfrage mehr Voten auf sich vereinigt als Anna Netrebko oder Cecilia Bartoli.

Mehr auch als sein Fachkollege Christian Gerhaher, der ebenfalls eine starke Saison hinter sich hat (und 2010 «Sänger des Jahres» war). Nun also Kränzle. Wieder ein deutscher Bariton. Wieder einer aus Bayern. Wieder ein Sänger, der sich durch Genauigkeit, Stilsicherheit und künstlerisches Verantwortungsgefühl auszeichnet. Und doch ein völlig anderer Weg als bei Gerhaher.

Johannes Martin Kränzle ist seit 24 Jahren im festen Engagement. Und er hat fast zwei Jahrzehnte warten müssen, bis vor drei, vier Jahren der große Durchbruch kam. Späte Genugtuung? Nein, sagt er, und wieder klingt die Bescheidenheit ehrlich: «Beim Sänger kommt es darauf an, welche Aufgaben er hat. Und dann erst darauf, wo er sie umsetzt. Ich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Sänger des Jahres, Seite 22
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Jenseits der Ideologie, diesseits der Humanität

Gab es ein irrationaleres Zeitalter als das 20. Jahrhundert?
Verbannt oder verpönt zu verschiedenen Zeiten waren Mendelssohn, Mahler und Schönberg als Juden; Richard Strauss, Wilhelm Furtwängler, Hans Pfitzner und Franz Schmidt als Nazis; Hanns Eisler, Paul Dessau und Marc Blitzstein im Westen als Kommunisten; Schostakowitsch, der mit dem Vorwurf, «Lärm statt...

Kostüm braucht Überhöhung

Herr von der Thannen, wie erklären Sie es sich, dass Sie schon mehrfach zum «Kostümbildner des Jahres» gewählt wurden – aber noch nie als Bühnenbildner?

Ich muss sagen: Ein wunder Punkt! Seit knapp 30 Jahren mache ich immer beides. Für mich sind Kostüme und Bühnenbild untrennbar. Mehr noch: Meine Kostüme könnten überhaupt nicht wirken, hätten sie nicht den Raum, den...

«Eine wienerische Maskerad’» – und weiter nichts?

Schon während der gemeinsamen Arbeit an «Elektra» war es für Richard Strauss klar, dass er die Partnerschaft mit dem Dichter Hugo von Hofmannsthal fortsetzen würde. Dieser war seinerseits von der Aussicht, ins Musiktheater hineinwirken zu können, sehr angetan. Allerdings hatte er die Vorstellung, wie im Fall «Elektra» die Stücke erst einmal für die Sprechbühne zu...