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Es klingt ehrlich. Als Johannes Martin Kränzle erfährt, dass er zum «Sänger des Jahres» gewählt wurde, platzt es aus ihm heraus: «Das kann aber gar nicht sein!» Was für ein typischer, bescheidener Satz. Er klingt wie: Es gibt doch so viele gute und berühmtere Sänger, warum kommen Sie gerade auf mich? Stimmt: Es gibt viele gute und berühmtere Sänger. Und trotzdem hat der Bariton bei unserer Kritikerumfrage mehr Voten auf sich vereinigt als Anna Netrebko oder Cecilia Bartoli.
Mehr auch als sein Fachkollege Christian Gerhaher, der ebenfalls eine starke Saison hinter sich hat (und 2010 «Sänger des Jahres» war). Nun also Kränzle. Wieder ein deutscher Bariton. Wieder einer aus Bayern. Wieder ein Sänger, der sich durch Genauigkeit, Stilsicherheit und künstlerisches Verantwortungsgefühl auszeichnet. Und doch ein völlig anderer Weg als bei Gerhaher.
Johannes Martin Kränzle ist seit 24 Jahren im festen Engagement. Und er hat fast zwei Jahrzehnte warten müssen, bis vor drei, vier Jahren der große Durchbruch kam. Späte Genugtuung? Nein, sagt er, und wieder klingt die Bescheidenheit ehrlich: «Beim Sänger kommt es darauf an, welche Aufgaben er hat. Und dann erst darauf, wo er sie umsetzt. Ich ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Sänger des Jahres, Seite 22
von Stephan Mösch
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Gab es ein irrationaleres Zeitalter als das 20. Jahrhundert?
Verbannt oder verpönt zu verschiedenen Zeiten waren Mendelssohn, Mahler und Schönberg als Juden; Richard Strauss, Wilhelm Furtwängler, Hans Pfitzner und Franz Schmidt als Nazis; Hanns Eisler, Paul Dessau und Marc Blitzstein im Westen als Kommunisten; Schostakowitsch, der mit dem Vorwurf, «Lärm statt...
Er ist seit 24 Jahren im festen Engagement. Trotzdem hat ihn der Theateralltag weder mit Zynismus noch mit Hochmut gegerbt.
Johannes Martin Kränzle kann noch immer sonnig lächeln. Er kann an Inhalte und Figuren glauben – und an die sinnliche Kraft der Musik. Er ist bescheiden geblieben. Ein Ausnahmesänger schon deshalb, weil er seine Stimme über so lange Zeit und...
