Mit Speck ins Nirwana
Die Schurken gurken – genau zur Sau», singt der über verfließende Zeit und deren Stillstand gebietende «Anhalter», musikalisch symbolisiert durch Trompete und Cembalo im Habitus barocker Ariosi. Diese das Stück strukturierende Spielmacher-Figur ist vieles zugleich: Oratorien-Testo, Mentor der zu Superhelden mutierenden vier Schulkinder auf ihrer Heldenreise, Verführer und Bösewicht. Und Anno Schreiers überbordend fantasievoller Librettist Jürgen R.
Weber (der zuletzt in Erfurt mit einem bizarren «Rheingold» auf sich aufmerksam machte) spreizt die Sprachhöhen vom «Boing! – Schwing! – Doing» der nicht ausbleibenden Kämpfe bis zum Goethe-Zitat «Blut ist ein ganz besonderer Saft». An die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer, und geglückt zugleich an die älteren «bis 92», wendet er sich halb altväterisch-balladesk mit dem Refrain: «Ihr habt es sicher oft bestaunt auf Comic-Heft-Gemälden, sodass ihr klärlich nun kapiert, wie wunderschön es sich mutiert zum Superduper-Helden.»
Seinen Einstieg aber gewinnt er durch das Anhalten des Endkampfs um die Blaue Sau mittels eines magischen Rings – und die Geschichte beginnt von vorn. Realität und Fantasy-Welt, Schulhof und «Schwebeland» stehen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Klaus Heinrich Kohrs
Der Mann war ein Unhold. Ihm mit Kunst zu «begegnen», darf als Wagnis gelten – welches aber, obschon auf verschiedenste Weise, gelingen kann. Bei den Filmfestspielen in Cannes kam Mitte Mai ein Film heraus, der vom «Verschwinden des Josef Mengele» erzählt – zunächst von dessen Flucht nach Südamerika, dem geheimen Besuch der BRD, von seiner Hochzeit in Argentinien,...
Die Geschichte ist alt, biblisch alt. Geschrieben steht sie im Ersten Buch Mose, Kapitel vier, und erzählt von jenem Mord, der als Menetekel, als Parabel, ja, als Urbild menschlicher Katastrophen taugt. Ein Bruder erschlägt seinen Bruder und wird von Gott dafür gezeichnet. Die Frage ist nur: Hat er etwas daraus gelernt? Begreift Kain, dass jenes Stigma, dass der...
In Kálmáns Operetten geht es eigentlich immer um Geld. Beziehungsweise um den chronischen Mangel daran – bei denjenigen, die fieberhaft am gesellschaftlichen Aufstieg arbeiten, ebenso wie bei Menschen, die den Abstieg aus ihrem feudalen Luxusleben verzweifelt aufhalten wollen. Aus dem Spannungsfeld zwischen dem Niedergang des feudalen Systems und dem Aufstieg eines...
