Irre Typen, bittere Pillen
Donizettis «Don Pasquale» ist eine überraschende Wahl des Regie-Duos Jossi Wieler/Sergio Morabito für ihre vorletzte gemeinsame Arbeit, ehe sie am Saisonende die Oper Stuttgart verlassen. Die Farce vom heiratswütigen Alten und der jungen, ihn übertölpelnden Frau spielt zwar mit den Versatzstücken der italienischen Buffa-Tradition, polt sie aber um: Aus der Typenkomödie wird realistisches Musiktheater, aus Masken werden Menschen, Komik wird mit Ernst getönt.
Wieler/Morabito nehmen das meist als Klamotte verhökerte dramma buffo beim Wort und versetzen das bittere Gesellschaftsspiel ins Heute.
Unterfüttert ist ihr Ansatz mit einem burlesken Vorspann. Während im Graben die Ouvertüre zur Begleitmusik schrumpft, deutet auf dem noch geschlossenen Bühnenrund ein popbunter, Barrie Koskys «Zauberflöten»-Comic aufgreifender Animationstrickfilm an, wie Pasquale in jungen Jahren als kiffender Beatles-Fan auf die Liebe verzichtete und sich unter der Knute des drohenden Vaters zum Karrieristen zurechtbiegen ließ. Wenn sich dann die von Jens Kilian entworfene, raffiniert verschachtelte Drehbühne öffnet, sehen wir ihn, abgeschirmt durch eine hohe Gitterwand, in seinem sterilen Büro an einem ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Uwe Schweikert
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