Irre gut
Was Wahnsinn sei, was Genialität, ist strittig – und materiell, mit Hirnströmen etwa, so wenig zu messen wie zu erklären. Dass vokale und darstellerische Genialität bei der musiktheatralischen Vorführung des Wahnsinns hingegen vorteilhaft ist, haben Sängerinnen wie Anna Moffo, Renata Scotto, Beverly Sills, Montserrat Caballé, vor allem aber Joan Sutherland und Maria Callas (Letztere mit der vielleicht besten Einspielung des Werks, Cetra Berlin 1955, Herbert von Karajan) als mörderische Irre vom Lammermoor Castle dokumentiert.
Den atemraubenden Darlegungen der vulkanischen Callas und der exaltierten Sutherland stehen dabei die gepflegten Neurosen der Moffo oder die einem «mütterlichen» Tonfall aufgesetzten Pianissimo-Zauberkoloraturen der Caballé gegenüber.
In diesen Kreis der Erlauchten wurde nun Lisette Oropesa gebeten (in einer Studioaufnahme notabene, was heute eher die Ausnahme darstellt). Die Sopranistin hat die Partie Dutzende Male an großen Häusern gesungen, «Il dolce suono» ist für sie so etwas wie ein «Party-Piece». Dabei fand sie für sich einen individuellen, stimmigen Ton, der sie von den Mitstreiterinnen abhebt. Durch die erfolgreiche Einspielung von Bellinis ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 34
von Gerhard Persché
Männer sind einfach unersetzlich? Nun ja. Ob dem so ist oder nicht, liegt wohl in erster Linie an der Perspektive, aus der heraus man es betrachtet, also im Auge des oder der Betrachtenden. Die einen, zu denen vor allem Fans von Herbert Grönemeyer zählen, sagen so; die anderen, weit stärker einer evidenzbasierten Erkenntnis zugeneigt als dem Reich der blühenden...
Kakanien, versunkenes Riesenreich. Wie es war, wie es vielleicht noch sein könnte, wäre es nicht 1918 in den Ruhestand versetzt worden, darüber gibt uns Robert Musil, einer der größten Literaten des 20. Jahrhunderts, äußerst beredtblümerant (und mit dem inhärenten Subjektivismus des phantasiebegabten Schriftstellers) Auskunft: «So oft man in der Fremde an dieses...
Satte 61 leere Quinten, das ist viel Holz. Aber so hat es Franz Schubert für das letzte Stück aus seiner «Winterreise» auf Verse Wilhelm Müllers gewollt, natürlich nicht ohne zureichenden Grund. Der Tod lugt um die Ecken, und das weiß auch der Wanderer am Ende seiner frostigen Unternehmung, die ihn an diesen unwirtlichen Ort geführt hat.
Wenn nun Johannes Martin...
