Der Kongress tanzt
Kakanien, versunkenes Riesenreich. Wie es war, wie es vielleicht noch sein könnte, wäre es nicht 1918 in den Ruhestand versetzt worden, darüber gibt uns Robert Musil, einer der größten Literaten des 20.
Jahrhunderts, äußerst beredtblümerant (und mit dem inhärenten Subjektivismus des phantasiebegabten Schriftstellers) Auskunft: «So oft man in der Fremde an dieses Land dachte», lesen wir in Musils unvollendetem opus magnum «Der Mann ohne Eigenschaften», «schwebte vor den Augen die Erinnerung an die weißen, breiten wohlhabenden Straßen aus der Zeit der Fußmärsche und Extraposten, die es nach allen Richtungen wie Flüsse der Ordnung, wie Bände aus hellem Soldatenzwillich durchzogen und die Länder mit dem papierweißen Arm der Verwaltung umschlangen». Wie weit sich Kakanien dehnte, nach Osten und Westen, nach Süden und Norden, auch das beschreibt der Romancier in der ihm eigenen Poetik: «Gletscher und Meer, Karst und böhmische Kornfelder gab es dort, Nächte an der Adria, zirpend von Grillenunruhe und slowakische Dörfer, wo der Rauch aus den Kaminen wie aus aufgestülpten Nasenlöchern stieg und das Dorf zwischen zwei kleinen Hügeln kauerte, als hätte die Erde ein wenig die Lippen geöffnet, ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Jan Verheyen
Monate, ja Wochen gab es, da hatte er fast täglich zu tun. Und dies immerhin in der Schwergewichtsklasse der beiden großen Richards. Geplante Engagements, Proben, dazwischen ein schnelles Einspringen: Es schien, dass Thomas Johannes Mayer dann erst richtig aufblühte. Einfach weil er es konnte. Weil er die großen Bariton-Partien mühelos abrufen konnte, und weil er...
Pathos und Größe reizen zu Spott und Witz. Warum? Weil der Rezipient, der sich dem Großen, vielleicht auch dem Aufgeblasenen ausgesetzt sieht, innere Hygiene betreiben muss. Das Große will uns vereinnahmen, der Spott schafft Distanz und sichert die geistige Autarkie. Richard Wagners Person und Wirken reizen bis heute zur humoristischen Brechung. Seine Vorstellung...
Die Vorstellung ist wirklich zu schön, um wahr zu sein: «Mann und Weib und Weib und Mann / reichen an die Gottheit an.» Schon in der Bibel, wo der Herr im Himmel bekanntermaßen eine führende Rolle spielte, taten sich viele Jahrhunderte zuvor erhebliche Zweifel an Schikaneders anachronistischem Liebeskonzept auf; bei Matthäus 5, 28 finden wir sowohl den konkreten...
