Der Kongress tanzt

Philip Ther sucht in seiner Studie über das Verhältnis von Musik und Politik im Habsburger Riesenreich nach dem «Klang der Monarchie»

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Kakanien, versunkenes Riesenreich. Wie es war, wie es vielleicht noch sein könnte, wäre es nicht 1918 in den Ruhestand versetzt worden, darüber gibt uns Robert Musil, einer der größten Literaten des 20.

Jahrhunderts, äußerst beredtblümerant (und mit dem inhärenten Subjektivismus des phantasiebegabten Schriftstellers) Auskunft: «So oft man in der Fremde an dieses Land dachte», lesen wir in Musils unvollendetem opus magnum «Der Mann ohne Eigenschaften», «schwebte vor den Augen die Erinnerung an die weißen, breiten wohlhabenden Straßen aus der Zeit der Fußmärsche und Extraposten, die es nach allen Richtungen wie Flüsse der Ordnung, wie Bände aus hellem Soldatenzwillich durchzogen und die Länder mit dem papierweißen Arm der Verwaltung umschlangen». Wie weit sich Kakanien dehnte, nach Osten und Westen, nach Süden und Norden, auch das beschreibt der Romancier in der ihm eigenen Poetik: «Gletscher und Meer, Karst und böhmische Kornfelder gab es dort, Nächte an der Adria, zirpend von Grillenunruhe und slowakische Dörfer, wo der Rauch aus den Kaminen wie aus aufgestülpten Nasenlöchern stieg und das Dorf zwischen zwei kleinen Hügeln kauerte, als hätte die Erde ein wenig die Lippen geöffnet, ...

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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Jan Verheyen

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