Der Kongress tanzt
Kakanien, versunkenes Riesenreich. Wie es war, wie es vielleicht noch sein könnte, wäre es nicht 1918 in den Ruhestand versetzt worden, darüber gibt uns Robert Musil, einer der größten Literaten des 20.
Jahrhunderts, äußerst beredtblümerant (und mit dem inhärenten Subjektivismus des phantasiebegabten Schriftstellers) Auskunft: «So oft man in der Fremde an dieses Land dachte», lesen wir in Musils unvollendetem opus magnum «Der Mann ohne Eigenschaften», «schwebte vor den Augen die Erinnerung an die weißen, breiten wohlhabenden Straßen aus der Zeit der Fußmärsche und Extraposten, die es nach allen Richtungen wie Flüsse der Ordnung, wie Bände aus hellem Soldatenzwillich durchzogen und die Länder mit dem papierweißen Arm der Verwaltung umschlangen». Wie weit sich Kakanien dehnte, nach Osten und Westen, nach Süden und Norden, auch das beschreibt der Romancier in der ihm eigenen Poetik: «Gletscher und Meer, Karst und böhmische Kornfelder gab es dort, Nächte an der Adria, zirpend von Grillenunruhe und slowakische Dörfer, wo der Rauch aus den Kaminen wie aus aufgestülpten Nasenlöchern stieg und das Dorf zwischen zwei kleinen Hügeln kauerte, als hätte die Erde ein wenig die Lippen geöffnet, ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Jan Verheyen
Satte 61 leere Quinten, das ist viel Holz. Aber so hat es Franz Schubert für das letzte Stück aus seiner «Winterreise» auf Verse Wilhelm Müllers gewollt, natürlich nicht ohne zureichenden Grund. Der Tod lugt um die Ecken, und das weiß auch der Wanderer am Ende seiner frostigen Unternehmung, die ihn an diesen unwirtlichen Ort geführt hat.
Wenn nun Johannes Martin...
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Wenn Gennaro und seine Kumpels beim Fest im Palast der Fürstin Negroni ausgelassen dem Madeira zusprechen, tänzelt die Musik triolisch federnd und in ausgelassenem C-Dur. Das sollte zumindest so sein im zweiten Akt von Donizettis Melodramma «Lucrezia Borgia». In der akustisch mehr als befriedigenden Ausweichspielstätte OPAL des Nationaltheaters Mannheim scheint dem...
