Innere Perspektiven
In ihrem neuesten Soloalbum spürt die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus einer Gattung nach, die mit dem Ende des Barockzeitalters ausstarb – der weltlichen Solo-Kantate. Ihren Höhepunkt besaß diese um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert in Italien und Frankreich. Mit Stoffen vornehmlich aus dem Bereich der Bukolik, aber auch der antiken Mythologie, war sie schon damals eine Art Oper im Kleinen. Davon zehrt sie noch in den sechs Fundstücken einer untergegangenen Form, die Bonitatibus aufgenommen hat und zurecht «Monologe» nennt.
Wie in der Oper des 19.
Jahrhundert sind es stets Frauen in emotionalen Extremsituationen, denen wir in diesen Abschieds- und Liebesklagen begegnen. Bei Niccolò Zingarelli ist es die antike Hero, die erlebt, wie ihr Geliebter Leander beim Versuch, den Hellespont zu durchschwimmen, ertrinkt. Gaetano Donizettis von Bonitatibus hier erstmals eingespielte Kantate «Saffo» gilt dem Tod der Dichterin Sappho, die sich aus Verzweiflung über die Untreue ihres Geliebten Phaon ins Meer stürzt. Pauline Viardot vertont einen erregten Monolog aus Racines Antikentragödie «Andromaque», in der Hermione mit ihrem untreuen Verlobten Pyrrhus abrechnet. In ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Uwe Schweikert
Über Händels Humor ist nicht allzu viel bekannt. Dass er ihn angesichts der logistischen Schwierigkeiten im Londoner Opernleben seiner Zeit gehabt haben muss, das hingegen steht außer Zweifel. Richtig schlimm wurde es für den komponierenden Impresario (oder, je nach Blickwinkel: den geschäftsführenden Komponisten) in den 1730er-Jahren, als die Konkurrenz, die unter...
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JUBILARE
Gisela Ehrensperger kam am 10. August 1943 in Wiesbaden zur Welt. Nach einem privaten Gesangsstudium in Zürich wechselte sie im Rahmen ihres ersten Engagements 1965 nach St. Gallen und wurde zwei Jahre später ans Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz verpflichtet, dem sie bis 2007 als Ensemblemitglied angehörte. In ihrer mehr als 40-jährigen...
