Inhomogen
Heike Hoffmann, seit dieser Saison Leiterin der SWR Schwetzinger Festspiele, interpretiert die Dramaturgie des Festivals auf ihre Weise: Altes und Neues sollen nicht nebeneinander stehen, sondern ineinander verschränkt werden. Der Untertitel von «Tre Volti – Drei Blicke auf Liebe und Krieg» von Annette Schlünz, mit deren Uraufführung das diesjährige Programm eröffnet wurde, passt ins Bild: «Musiktheater mit Monteverdi». Als Keimzelle fungiert dessen Madrigal «Il combattimento di Tancredi e Clorinda» auf einen Text von Torquato Tasso.
Es handelt vom christlichen Ritter Tancredi, der im ersten Kreuzzug auf einen namenlosen sarazenischen Kämpfer trifft. Er tötet ihn und muss erkennen, dass in der Rüstung seine muslimische Geliebte Clorinda steckte.
Annette Schlünz und ihre Librettistin Ulrike Draesner spiegeln den alten (erotischen) Kampf der Geschlechter in einem modernen Paar im Nahen Osten. Nicht der Mann, sondern die Frau ist die Tötungsmaschine: Sie steuert eine Kriegsdrohne. Nicht die Frau, sondern der Mann verweigert die Kommunikation: Er handelt zwar mit Handys, die Beziehung zur Partnerin aber bleibt sprachlos. Die Texte von Tasso und Draesner, Schlünz und Monteverdi ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Thomas Rothkegel
Gleich der erste Blick verrät es. Entsetzliches ist geschehen. Wie ein angeschossenes Reh hockt Mélisande, am ganzen Leib zitternd, in der Ecke jenes weiß gekachelten Raumes, dessen kalte Sterilität an das Interieur von Sarah Kanes «Gesäubert» erinnert, in seiner Mischung aus Schlachthaus, Pathologie und – versinnbildlicht durch ein kleines Holzkreuz – christlicher...
«Heidelberg singt» heißt ein Aktionstag beim Festival Heidelberger Frühling, dessen Titel man wörtlich nehmen darf: Einen ganzen Sonntag lang öffnen die Bürger der Stadt ihre Galerien, Kneipen, Schulen und teilweise auch Privaträume, um darin Lieder vorzutragen – vom Männergesangverein bis zur Alternative-Rock-Band, vom selbstgeschriebenen Song bis zu englischen...
Endrik Wottrich war – in Stimme und Temperament – ein Heißsporn, den die äußere Welt noch zusätzlich befeuerte. Seine Karriere holte nicht Schwung wie die von Jonas Kaufmann, sie raste gleich los. Kaum hatte der Tenor 1992 als Cassio in Verdis «Otello» debütiert, sang er am Grünen Hügel schon vier Jahre später den jungen Seemann in Wagners «Tristan und Isolde». Die...
