Infernalisch

Mannheim, Puccini: Il trittico

Opernwelt - Logo

Drei verschiedene Höllen hat Puccini in seinem «Trittico» zu einem Inferno der Leidenschaften zusammengestellt, und alle sind sie tödlich: die Eifersuchtstragödie des «Mantels», das verpfuschte Leben der Nonne ­Angelica und die aus Dantes «Göttlicher Komödie» entlehnte Komödie um den raffgierigen Erbschleicher Gianni Schicchi, die als Auslöser des Tods des alten Buoso Donati bedarf. Zusammengehalten wird das Ganze in Gabriele Rechs Neuinszenierung durch eine kleine, skelettierte Marionette, die ein Puppenspieler in jedem der drei Einakter kurz über die Bühne führt.


Richtig in Fahrt kam der Abend allerdings erst im burlesken Finale. Im «Tabarro» konnte Rech sich nicht zwischen sozialkritischem Naturalismus und symbolischer Überhöhung entscheiden, in «Suor Ange­lica» hat sie gleich ganz vor der weitgehend handlungslosen Statik des sakralen Rührstücks kapituliert. Beide Male, vor allem in der Nonnenorgie in Weiß, waren die Bühnenbilder von Sandra Meurer kontraproduktiv. Die atmo­sphärische Dichte von Puccinis Musik, die in «Il tabarro» von der Schiffs­sirene bis zum Leierkastenlied, in «Suor Angelica» vom Glockengeläut bis zu den Litaneien der Schwestern reicht, fand auf der Szene ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Dein ist mein ganzer Schmerz

Das Werk steht unangetastet vor uns. Doch die Umstände haben sich radikal verändert, damit die Bedingungen der Rezeption. Denn wohl niemand wird ernstlich bezweifeln, dass der Hauch des Exotischen, wie er noch 1929 vom Land des Lächelns ausging, inzwischen einer fast pragmatischen Sichtweise gewichen ist: China, das ist nicht mehr länger Chiffre für das Andere...

Der schwere Weg zum Menschen

Kaum zu glauben, dass Antonin Dvoráks «Rusalka» noch nie auf einer dänischen Bühne zu erleben war. Immerhin wurde das Stück 1901 uraufgeführt, und das Lib­retto des jungen Jaroslav Kvapil ist unverkennbar durch Hans Christian Andersens Märchen «Die kleine Meerjungfrau» geprägt. In der Reihe der zahllosen musikalischen Adaptionen, die das Sujet von der...

Strauss: Intermezzo

Statt der Anekdote die Beinahe-Tragödie. Statt des gemütlichen Ambientes der Garmischer Richard-Strauss-Villa der sich öffnende und schließende, der immerfort kreisende Gasometer, aus dem es für die einsame Ehefrau Christine (alias Pauline) kein Entkommen gibt. Die Zürcher «Intermezzo»-Inszenierung Jens-Daniel Herzogs in der nüchtern-sach­lichen Ausstattung Mathis...