Indien, virtuell

Venedig, Massenet: Le Roi de Lahore

Mit seinem ersten Operndirigat im auferstandenen «Teatro La Fenice» huldigte Venedigs Musikchef Marcello Viotti seiner besonderen Leidenschaft: der Pariser «Grand Opéra». Massenets Fünfakter «Le Roi de Lahore», ein seit langem wenig gespielter Klassiker der Gattung, erlebte unter Viotti, der zugleich auch eine kritische Edition der Partitur besorgte, eine hörenswerte, wenn auch stellenweise von Längen beschwerte Wiederbelebung.


Die Oper aus dem Jahr 1877, an der Massenet zusammen mit seinem Librettisten, dem Pariser Salonlöwen Louis Gallet, sieben Jahre gefeilt hat, spielt in der Stadt Lahore – heute Pakistan – und ist im 11. Jahrhundert angesiedelt. Sie bedient mit ihrem Indien-Flair das Bedürfnis des Pariser Publikums nach exotischen Stoffen. Ein großer Teil der Bourgeoisie hatte bei französischen Kolonialabenteuern erkleckliche Summen erwirtschaftet und fühlte eine gleichwohl virtuelle Nähe zum Orient. Die Geschichte ist wahrscheinlich beeinflusst von der «Reise um die Welt» des Comte de Beauvoir, trägt aber auch Züge des Orpheus-Mythos. Es geht um ein Liebespaar, den König Alim von Lahore und die Tempelpriesterin Sità, das sein irdisches Glück wegen des Rivalen Scindia nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Birgit Pauls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Raster der Welt

Dass Großbritannien ein Paradies für Exzentriker jedweder Couleur sei, ist keineswegs bloß ein wohlfeiles Klischee. Wohl in keinem zweiten Land der Alten Welt werden private Marotten, bizarre Gebräuche und Umständlichkeiten im öffentlichen Leben mit einer so weitherzigen, selbstverständlichen Toleranz bedacht (und zum Gegenstand eines er­frischend selbstironischen...

Großes Musiktheater als Heimkino

Seit dem Wiederaufbau des abgebrannten Hauses (1999) sucht das Gran Teatre del Liceu in Barcelona wieder in der Ersten Liga der internationalen Opernhäuser mitzuspielen. Einige jetzt auf DVD veröffentlichte Aufführungen sind da durchaus Erfolg versprechend, auch wenn es sich zumeist um eingekaufte Produktionen handelt.
Rossinis Krönungsoper «Il viaggio a Reims»,...

Sanfte Enttäuschung

Der ultimative «Eugen Onegin» ist dieser Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper nicht, er hält lediglich ein regionales Ereignis fest: die mit berühmten Stimmen besetzte erste Wiener Aufführung der Oper in der russischen Originalsprache.
Das Unternehmen krankt schon vom Pult aus. Seiji Ozawa sucht das, was er für «russische Seele» hält, durch lähmend langsame Tempi...