Indien, virtuell
Mit seinem ersten Operndirigat im auferstandenen «Teatro La Fenice» huldigte Venedigs Musikchef Marcello Viotti seiner besonderen Leidenschaft: der Pariser «Grand Opéra». Massenets Fünfakter «Le Roi de Lahore», ein seit langem wenig gespielter Klassiker der Gattung, erlebte unter Viotti, der zugleich auch eine kritische Edition der Partitur besorgte, eine hörenswerte, wenn auch stellenweise von Längen beschwerte Wiederbelebung.
Die Oper aus dem Jahr 1877, an der Massenet zusammen mit seinem Librettisten, dem Pariser Salonlöwen Louis Gallet, sieben Jahre gefeilt hat, spielt in der Stadt Lahore – heute Pakistan – und ist im 11. Jahrhundert angesiedelt. Sie bedient mit ihrem Indien-Flair das Bedürfnis des Pariser Publikums nach exotischen Stoffen. Ein großer Teil der Bourgeoisie hatte bei französischen Kolonialabenteuern erkleckliche Summen erwirtschaftet und fühlte eine gleichwohl virtuelle Nähe zum Orient. Die Geschichte ist wahrscheinlich beeinflusst von der «Reise um die Welt» des Comte de Beauvoir, trägt aber auch Züge des Orpheus-Mythos. Es geht um ein Liebespaar, den König Alim von Lahore und die Tempelpriesterin Sità, das sein irdisches Glück wegen des Rivalen Scindia nicht ...
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