In der Liebeshölle
Als Heiner Müller 1993 in Bayreuth «Tristan und Isolde» inszenierte, hob er nicht ab auf eine romantische oder metaphysische Liebesgeschichte, sondern auf den im Libretto häufig genannten Tod. Dass es aber noch viel konkreter, härter geht, ist jetzt in Chemnitz zu erleben.
Dort gibt es seit dem 2018 vollendeten, von vier Frauen inszenierten «Ring» eine zeitgenössische Wagner-Interpretation, die ihresgleichen sucht: Nach der mit dem «Faust»-Preis ausgezeichneten «Götterdämmerung» ist Elisabeth Stöppler und ihrem Team (Bühne: Annika Haller, Kostüme: Gesine Völlm) auch mit dem «Tristan» Herausragendes gelungen.
Während viele Regisseurinnen und Regisseure sich darauf hinausreden, dass es kaum eine «Handlung» gibt (obwohl der Komponist das Werk explizit so bezeichnete), präsentiert Stöppler einen von der ersten bis zur letzten Minute spannenden Krimi, der verblüffend genau spiegelt, was geschieht – und was folgenreich schon passiert ist. Es ist erneut eine dezidiert weibliche Sicht, fußend auf präzisen Psychogrammen aller Figuren, deren Hinter- und Beweggründe inklusive.
Tristan ist der U-Boot-Kapitän, ein Kriegs-, aber sonst kein Held – ein arroganter Eigenhold und Jojo spielender ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Monika Beer
Frau Šlekytė, Ihr Vorname bedeutet in unserer Sprache «heiter». Ist Heiterkeit eine vorherrschende Konstante Ihres Lebens?
Das wäre sehr schön. Aber ich lebe auf diesem Planeten, der mir zusehends Sorgen bereitet. Vielleicht sagen wir es so: Es gibt verschiedene Gefühle. Heiterkeit ist eines davon.
Was löst das eine wie das andere aus? Sind das künstlerische...
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«Perché il mio canto s’attrista – Warum wird mein Gesang traurig, ich habe ich nie gehört, wie ist er in mich geraten?», singt der Chor im Zentrum von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper – da ist das grausame Schuld- und Sühne-Spektakel schon im vollen Gange. «Ich beweine dieses Haus, dem der Untergang droht», klagt am Beginn der Wachposten auf einem in schwarzer...
