Im Wärmestrom des Erlebten
Noten und Töne, die schriftliche Fixierung von Musik wie ihre klingende Realität im Dialog zwischen Interpret und Hörer, sind nicht identisch. «Weder enthält Geschriebenes je alles, was Musik ausmacht», schreibt George Steiner, «noch ist sie je ‹so und nicht anders›.» Musik, das «unterbrochene Schweigen» (Steiner), ist vielmehr immer anders. Keine Aufführung gleicht der andern. Das ist der Ausgangspunkt von Peter Gülkes neuestem, mit Blick auf das Phänomen «Interpretation» geschriebenem Buch.
Erneut nimmt er seine Leser mit auf eine Entdeckungsreise ins Innere der Musik, zu der er befähigt ist wie wenige – als Dirigent wie als Wissenschaftler, zwischen denen der glänzende Schriftsteller vermittelt. Der Tenor seines Buchs gilt der Erkenntnis, dass Musik «indem sie erklingt, zugleich verklingt». Was wir hören, ist unwiederholbar: «Keine Tonaufzeichnung kompensiert, dass musikeigenste Authentizität geopfert wird: Anrede, Mit-Teilung, im Hier und Jetzt des Erklingens vibrierende Einmaligkeit, nur hier sich ereignendes Auf-Du-und-Du.» Und klingt nicht selbst eine oft gehörte CD, also in der Tat identische Musik, im «Wärmestrom des Erlebten» jedes Mal anders?
Nach einleitenden ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 37
von Uwe Schweikert
Drei Novitäten pro Saison herauszubringen, war das Minimum, als Alexander Zemlinsky Musikdirektor des «Neuen Deutschen Theaters» (der heutigen Staatsoper) in Prag war. Novität meint: ein Stück, das noch nie zuvor am Haus gespielt worden war. Meistens war das ein Werk, das druckfrisch aus dem Verlag kam. Gerade einmal vier Monate nach der Uraufführung brachte...
Frauen galten historisch nicht sehr oft als genial (was ja ohnehin ein anderes Wort für hochbegabt und sonderbar ist), aber auch als hochbegabt und sonderbar galten Frauen selten. Lieber nannte man sie überspannt und anstrengend, zum Beispiel. In Opernlibretti sind Frauen fast ausnahmslos Liebende und Leidende; die Leidenschaften gehen mit ihnen durch. Wenn sie...
Diese Düsterkeit ist niederschmetternd. Nachdem Blut geflossen ist wie Wasser, nachdem verraten, betrogen und gemordet wurde, als gäbe es kein Morgen, nachdem Anführer und Herrscher aufstiegen und wieder aus dem Weg geräumt wurden – nach all dem steht das Volk, repräsentiert hier von den sogenannten «Altgläubigen», mit erhobenen Armen da und wünscht sich nichts...
