Im Schüttkasten der Lebensirrnis
«Tannhäuser» strotzt von Melodien, die im Ohr haften, von wirkungssicher aufgebauten Chorälen, von einer Hymnik, die Jauchzen und Verzweiflung gleichermaßen umfasst. Er lebt, wie Carl Dahlhaus einmal schrieb, von «tönender Rhetorik». Man könnte auch sagen: Das Stück ist geradezu unverschämt auf Erfolg hin komponiert – und ohne Zweifel Wagners beliebteste Oper. «Tannhäuser» ist aber auch heikel, dramaturgisch verwirrend, ein Patchwork der Stoffe und Stile.
Noch kein Musikdrama, noch keine Kunst des Übergangs, aber schon Bilder, deren mythisch-archaische Deutungsoffenheit das Theater herausfordern, mögen sie gedanklich auch am Mittelalter kleben. Das betrifft vor allem die erste und die letzte Szene.
Wo spielt der «Venusberg», sofern man ihn nicht an nacktes Fleisch und pseudo-erotische Verrenkungen delegiert? Wie umgehen mit dem wuchtigen Chorfinale, in dem das Sterben von Elisabeth und Tannhäuser übereinandergeblendet wird, Ewigkeit und Heilsverkündung in breitem Es-Dur auftrumpfen, Gnade und Erlösung affirmativ beschworen werden? Der Hörer sinkt zwangsweise ermattet zurück und fühlt doch seine Hände zum Applaus hochgerissen. Was macht der Regisseur?
Romeo Castellucci hat an der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2017
Rubrik: Bilanz, Seite 124
von Stephan Mösch
«Demis Volpi ist ein großartiger Theatermacher und feinfühliger Geschichtenerzähler. Hier, eher als in der Choreografie, sehe ich seine wahre Begabung.» So begründet Reid Anderson, Ballettintendant der Staatstheater Stuttgart, die Nichtverlängerung Ihres Vertrags als Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts. Das klingt, als wolle er Sie zur Oper fortloben ...
Man...
Zugang zu Musik, zu ihrer Musik, findet sie über Bilder, Metaphern. Allerdings nicht in dem romantischen Sinn, dass Metaphern für etwas stehen – für eine Aktion, Figur oder Stimmung. Es sind keine klaren Bilder, die den Prozess der Klangerfindung steuern. Chaya Czernowin spricht vielmehr von einer Art Infrastruktur, die ihr helfe, tief in unerhörte Sphären,...
Die Klage über den Niedergang dramatischer Stimmen ist nicht neu, so wenig wie das Hohe Lied auf die Heroinen und Heroen der Vergangenheit. Eine Birgit Nilsson, ein Jon Vickers und ihresgleichen sind offenbar heute weit und breit nicht in Sicht. Dafür umso mehr Sänger, die – aus eigenem Antrieb oder vom Betrieb gedrängt – Raubbau am eigenen Material treiben....
