Im Schüttkasten der Lebensirrnis

Assoziationsräume, die aus Zeichen, Topoi, Schweigen montiert sind: Im Münchner «Tannhäuser» hat Romeo Castellucci seine Poetik der Unschärfe exemplarisch ausformuliert

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«Tannhäuser» strotzt von Melodien, die im Ohr haften, von wirkungssicher aufgebauten Chorälen, von einer Hymnik, die Jauchzen und Verzweiflung gleichermaßen umfasst. Er lebt, wie Carl Dahlhaus einmal schrieb, von «tönender Rhetorik». Man könnte auch sagen: Das Stück ist geradezu unverschämt auf Erfolg hin komponiert – und ohne Zweifel Wagners beliebteste Oper. «Tannhäuser» ist aber auch heikel, dramaturgisch verwirrend, ein Patchwork der Stoffe und Stile.

Noch kein Musikdrama, noch keine Kunst des Übergangs, aber schon Bilder, deren mythisch-archaische Deutungsoffenheit das Theater herausfordern, mögen sie gedanklich auch am Mittelalter kleben. Das betrifft vor allem die erste und die letzte Szene.

Wo spielt der «Venusberg», sofern man ihn nicht an nacktes Fleisch und pseudo-erotische Verrenkungen delegiert? Wie umgehen mit dem wuchtigen Chorfinale, in dem das Sterben von Elisabeth und Tannhäuser übereinandergeblendet wird, Ewigkeit und Heilsverkündung in breitem Es-Dur auftrumpfen, Gnade und Erlösung affirmativ beschworen werden? Der Hörer sinkt zwangsweise ermattet zurück und fühlt doch seine Hände zum Applaus hochgerissen. Was macht der Regisseur?

Romeo Castellucci hat an der ...

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Opernwelt Jahrbuch 2017
Rubrik: Bilanz, Seite 124
von Stephan Mösch

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