Anja Harteros als Maddalena di Coigny (mit Tim Kuypers als Mathieu) in «Andrea Chénier» an der Bayerischen Staatsoper München; Foto: Bayrische Staatsoper/Wilfried Hösl
Die Unfassbare
Sie kann in wenigen Tönen das vollständige Psychogramm eines Charakters zeichnen. Schmerzhaft schön, bestürzend klar. Ob an der Bayerischen Staatsoper als Maddalena in Giordanos «Andrea Chénier» und als Elisabeth in «Tannhäuser» oder als Sieglinde in der «Walküre» der Salzburger Osterfestspiele. Anja Harteros ist eine Künstlerin, die mit der Stimme Figuren neu zu erfinden scheint.
Wie der Tenor Matthias Klink: Auch sein berückendes Aschenbach-Porträt in der Stuttgarter Produktion von Brittens «Death in Venice» verdankt sich nicht nur außerordentlicher Bühnenpräsenz, sondern einer bis in die kleinste Nuance ausgeloteten vokalen Gestik
Normalerweise müsste sie jetzt im Gerichtssaal stehen, vor dem Tribunal der Revolution, den falschen Zeugen, den geifernden Aktivisten. Doch dieser Maddalena gehört eine andere Bühne. Am Tisch sitzt sie, in einer engen Kammer, Gérard gegenüber. Ihm allein, dem sie sich aus verzweifeltem Entschluss hingeben will, rollt sie ihr Schicksal auf: der Tod der Mutter, «la mamma morta», das brennende Haus der Kindheit, das Verlassensein, die tödliche Gefahr. Und schließlich die Rettung nicht durch eine Person, sondern durch «l’amor». Denn so spricht die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2017
Rubrik: Sängerin und Sänger des Jahres, Seite 16
von Markus Thiel
Aufführung des Jahres: Bergs «Lulu» in Hamburg (Kent Nagano/Christoph Marthaler) und Honeggers «Jeanne d’Arc au bûcher» in Frankfurt (Marc Soustrot/Alex Ollé)
Regisseurin des Jahres: Yona Kim
Bühnenbildner des Jahres: Alfons Flores
Dirigent des Jahres: Kirill Petrenko
Sängerin und Sänger des Jahres: Anja Harteros, Christian Gerhaher, Georg Zeppenfeld
Opernhaus...
Für ihre Darstellung exaltierter Frauenfiguren wurde sie oft gefeiert. Nun triumphierte Nicole Chevalier an der Komischen Oper Berlin als Medea in Aribert Reimanns gleichnamigem Musiktheater: «Ihre souveräne Beherrschung der Partie verwandelt die vokale Artistik in ausdrucksvolle Gestik und verklammert sich eng mit ihrem Spiel – und nach zwei Stunden Dauereinsatz...
Luthers Wittenberger Thesenanschlag hallt bis heute nach. Nicht zuletzt auf der Opernbühne. Immer wieder
hat die vor 500 Jahren formulierte reformatorische Idee von der Freiheit des (Christen-)Menschen Komponisten beschäftigt. Aber auch deren Pervertierung: Gewalt und Terror im Namen Gottes, etwa in Gestalt der Münsteraner Wiedertäufer. (Protestantischer) Glaube...
