Im Husch da, im Husch vorüber
Ein «Welttheater der Liebe» hat Walter Felsenstein «Le nozze di Figaro» einmal genannt. Nur vergaß der renommierte Regisseur, einer der Pioniere des Regietheaters im deutschsprachigen Raum, zu erläutern, wie genau diese «Liebe» konfiguriert sein könnte – ob es sich dabei um eine solche handle, die in jeder Minute eine (erotische) Entscheidung sei, ob sie das allumfassend Spirituelle meine – oder ob sie sich, als Agape oder Philia, dem Empathischen verschrieben habe. In der Münchner Inszenierung von Evgeny Titov ist die Liebe erst einmal in den Keller gekommen.
Die Bühne von Ausstatterin Annemarie Woods zeigt einen rostigen, von einer hochaufragenden Rückwand und schwergängigen Eisentüren (die verschlossen zu sein scheinen, sich aber dann doch wie von Wunderhand ganz leicht öffnen lassen) begrenzten Raum. Das Interieur spärlich: ein schmutziges Waschbecken, das man lieber nicht benutzen möchte, und ein riesiger (elektrischer) Zauberstuhl; man ahnt schon, wer am Ende darauf Platz nehmen wird. Doch ist dies kein gewöhnliches Sitzmöbel, sondern ein wahres Folterinstrument, mit roten Schalthebeln an den Seiten und allerlei seltsamen Vorrichtungen, deren Wirkkraft wohl nur S&M-Experten ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Jürgen Otten
Seine letzte Oper sollte eine lustige sein – so der ausdrückliche Wunsch des belgischen Komponisten Philippe Boesmans, den er Freunden im Februar 2022, rund zwei Monate vor seinem Tod, mitteilte. Nach all jenen Tragödien, die er bis dahin geschrieben habe, vor allem nach «Julie» auf Strindberg, wolle er mit totaler Leichtigkeit (légèreté) und Nachlässigkeit (insouc...
Man hatte es geahnt. Dieser Abend würde ihr Abend werden, eine Demonstration außergewöhnlichen Könnens. Und Asmik Grigorian, seit ihrem atemraubenden Auftritt als Salome bei den Salzburger Festspielen 2018 in Romeo Castelluccis magisch-mystischer Inszenierung unangefochtene Königin in dieser Partie, enttäuschte ihre Fans nicht. Die litauische Sopranistin...
Turandot kann einem nur leidtun. Die Menschheit hat sich selbstverschuldet an den Rand ihrer Auslöschung befördert, alle Frauen dieser Erde sind vom Bann der Unfruchtbarkeit getroffen, und überdies droht die Klimakatastrophe das noch bestehende Leben restlos zu vernichten. Wer will es da der eisumgürteten Prinzessin verdenken, dass sie, die einzige noch...
