Tödliche Spiele
Turandot kann einem nur leidtun. Die Menschheit hat sich selbstverschuldet an den Rand ihrer Auslöschung befördert, alle Frauen dieser Erde sind vom Bann der Unfruchtbarkeit getroffen, und überdies droht die Klimakatastrophe das noch bestehende Leben restlos zu vernichten.
Wer will es da der eisumgürteten Prinzessin verdenken, dass sie, die einzige noch Gebärfähige, dem Defilee der Bewerber beharrlich eine tödliche Abfuhr erteilt, zumal das Schicksal einer verschleppten und vergewaltigten Vorfahrin sie schwören ließ, dem männlichen Geschlecht auf immer zu entsagen?
Die Grundsituation könnte also dystopischer nicht sein. Und hat in der visuellen Umsetzung von derer sich Marie-Eve Signeyrole bei ihrem Regiedebüt an der Semperoper eine konkrete Vorlage. Angelehnt an den Hollywood-Blockbuster «Die Tribute von Panem: Hunger Games» ist das Publikum nicht nur Betrachter der stets blutig endenden «Turandot Games», sondern als «2. Distrikt» (freilich ohne direkte Interaktion mit dem Bühnengeschehen) auch Teil der Inszenierung. Die anderen Distrikte bevölkert der Opernchor, zunächst säuberlich in soziale Schichten aufgeteilt – vom Lumpenproletariat bis zur High Society im Edel-Chic. Wie in ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Werner Kopfmüller
Aber darum geht es mir eben nicht, liebe Ellice!» – Mitten im Gespräch beginnt sie, die neue Oper des Komponisten Manfred Trojahn für die Deutsche Oper am Rhein. Mit einer Widerrede. Gegen eine eigene Aussage oder gegen ihre? Das bleibt links des Notenschlüssels verborgen, doch die Ich-Perspektive des Protagonisten Osbert Brydon ist gesetzt, erst in Takt 28 rückt...
Das Café Central, lesen wir bei Alfred Polgar, sei «kein Caféhaus wie andere Café-häuser, sondern eine Weltanschauung, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschauen». Auf der Bühne des Musiktheaters an der Wien im Museumsquartier sieht man jedenfalls genau das Café Central. Mit großer Liebe zum Detail hat Silke Bauer das altehrwürdige,...
Im späten 19. Jahrhundert hat sich das Orchesterlied vom klavierbegleiteten Sololied getrennt und als eigenständige Gattung etabliert. Das kammermusikalische Lied dagegen ist stets ein subversiver Solitär geblieben, dessen formale Abweichungen sich auf keinen Nenner bringen lassen. Dies belegen drei völlig unterschiedliche Lied-Opern, die Barbara Hannigan und das...
