Tödliche Spiele
Turandot kann einem nur leidtun. Die Menschheit hat sich selbstverschuldet an den Rand ihrer Auslöschung befördert, alle Frauen dieser Erde sind vom Bann der Unfruchtbarkeit getroffen, und überdies droht die Klimakatastrophe das noch bestehende Leben restlos zu vernichten.
Wer will es da der eisumgürteten Prinzessin verdenken, dass sie, die einzige noch Gebärfähige, dem Defilee der Bewerber beharrlich eine tödliche Abfuhr erteilt, zumal das Schicksal einer verschleppten und vergewaltigten Vorfahrin sie schwören ließ, dem männlichen Geschlecht auf immer zu entsagen?
Die Grundsituation könnte also dystopischer nicht sein. Und hat in der visuellen Umsetzung von derer sich Marie-Eve Signeyrole bei ihrem Regiedebüt an der Semperoper eine konkrete Vorlage. Angelehnt an den Hollywood-Blockbuster «Die Tribute von Panem: Hunger Games» ist das Publikum nicht nur Betrachter der stets blutig endenden «Turandot Games», sondern als «2. Distrikt» (freilich ohne direkte Interaktion mit dem Bühnengeschehen) auch Teil der Inszenierung. Die anderen Distrikte bevölkert der Opernchor, zunächst säuberlich in soziale Schichten aufgeteilt – vom Lumpenproletariat bis zur High Society im Edel-Chic. Wie in ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Werner Kopfmüller
Mit diesem Album schließt Reinoud Van Mechelen seinen faszinierenden Überblick über die Entwicklung der haute-contre-Stimme in der französischen Barockoper ab. Die erste Folge galt 2018 Louis Gaulard Dumesny, dem vom Koch zum Star der Pariser Opéra aufgestiegenen Protagonisten Lullys am Ende des 17. Jahrhunderts. Die zweite Folge war 2020 Pierre de Jéliote...
JUBILARE
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Den Wald als romantische deutsche Seelenmetapher – es gibt ihn auch an diesem Abend. Doch wenn die beiden Kinder zu den Klängen des «Hexenritts» umherirren, umgibt sie in einer perfekt filmisch angelegten (Video-)Szenerie zunächst ein Häuser- und Ruinenwald in Schwarzweiß, über dem alliierte Bomber kreisen. Regisseurin Kateryna Sokolova und Bühnenbildner Nikolaus...
