Tödliche Spiele

Puccini: Turandot an der Semperoper Dresden

Opernwelt - Logo

Turandot kann einem nur leidtun. Die Menschheit hat sich selbstverschuldet an den Rand ihrer Auslöschung befördert, alle Frauen dieser Erde sind vom Bann der Unfruchtbarkeit getroffen, und überdies droht die Klimakatastrophe das noch bestehende Leben restlos zu vernichten.

Wer will es da der eisumgürteten Prinzessin verdenken, dass sie, die einzige noch Gebärfähige, dem Defilee der Bewerber beharrlich eine tödliche Abfuhr erteilt, zumal das Schicksal einer verschleppten und vergewaltigten Vorfahrin sie schwören ließ, dem männlichen Geschlecht auf immer zu entsagen?

Die Grundsituation könnte also dystopischer nicht sein. Und hat in der visuellen Umsetzung von derer sich Marie-Eve Signeyrole bei ihrem Regiedebüt an der Semperoper eine konkrete Vorlage. Angelehnt an den Hollywood-Blockbuster «Die Tribute von Panem: Hunger Games» ist das Publikum nicht nur Betrachter der stets blutig endenden «Turandot Games», sondern als «2. Distrikt» (freilich ohne direkte Interaktion mit dem Bühnengeschehen) auch Teil der Inszenierung. Die anderen Distrikte bevölkert der Opernchor, zunächst säuberlich in soziale Schichten aufgeteilt – vom Lumpenproletariat bis zur High Society im Edel-Chic. Wie in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Werner Kopfmüller

Weitere Beiträge
Höllensturz

Franz Schreker ist gewiss der tragischste Fall in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Erfolgsstücken «Der ferne Klang» (1912), «Die Gezeichneten» (1918) und «Der Schatzgräber» (1920) war er zu Beginn der Weimarer Republik neben Richard Strauss der meistgespielte lebende Opernkomponist. Doch es bedurfte nicht erst der Nazis, um den Juden Schreker...

Personalien, Meldungen 12/23

JUBILARE

Christopher Robson, 1953 im schottischen Städtchen Falkirk geboren, gilt als einer der Pioniere und bedeutenden Vertreter des Countertenor-Gesangs. Seit seinem Debüt an der English National Opera (ENO) in Monteverdis «L’Orfeo» interpretierte er dort in 17 Jahren zahlreiche Rollen vom Barock bis zur Moderne, unter anderem Arsamene in Händels «Ser -se»,...

Schatzsuche

Kurz ist er, der Sommer der Anarchie. Kurz, aber intensiv. Und voller Widerstandsgeist. Verantwortlich dafür ist insbesondere jene junge Pariserin mit dem charmant-altmodischen Vornamen Clairette, die man in den Gassen rund um das Quartier des Halles gut kennt und ihres couragierten Charakters wegen schätzt, die aber über die Grenzen Frankreichs kaum bekannt sein...