Im Hochland
Seit «Tiefland» befand sich Eugen d’Albert in Hochstimmung. Die Oper feierte landauf, landab Erfolge, die ihm kaum weniger wichtig waren als seine Erfolge bei Frauen. Jede Hochzeit steigerte im Freundeskreis die spöttische Bewunderung, und am Ende wusste niemand mehr, ob der englisch-französische Deutsche mittlerweile die fünfte oder sechste Ehe führte, was einen Witzbold zu der Warnung veranlasste: «Vorsicht, d’Albert, die Neunte ist mit Chor!» So weit brachte es der Komponist nun doch nicht, aber er zeugte immerhin seinen eigenen, achtköpfigen Kinderchor.
Die Zahl seiner Opern nimmt sich ebenfalls stattlich aus; von den 20 vollendeten Bühnenwerken wurden 19 zu Lebzeiten uraufgeführt. «Tiefland» (1903) behauptete sich lange Zeit im Repertoire; «Die Abreise» (1898) und «Die toten Augen» (1913) gingen ebenfalls über verschiedene europäische Bühnen; sie liegen jeweils in zwei prominent besetzten Einspielungen vor. Das Theater Gera-Altenburg holt jetzt «Die toten Augen» ins Rampenlicht zurück und macht nicht nur die blinde Myrtocle sehend. Wobei wir allerdings, im Gegensatz zur bedauerlichen Korintherin, nicht an der Hellsichtigkeit zugrunde gehen. Aber unsere Ambivalenztoleranz wird ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Volker Tarnow
Nicht wenige Opernkomponisten (und keineswegs nur diejenigen, die lediglich eines geschrieben haben, wie Beethoven) werden auf ein einzelnes Werk reduziert. Bei Carl Maria von Weber etwa denkt jeder sofort an den «Freischütz». «Oberon», «Euryanthe» und «Silvana» hingegen fristen ein trauriges Schattendasein. Camille Saint-Saëns wird wohl noch in 100 Jahren als...
Das ganze Leben in nur 90 Minuten? Für Jürg Laederach, den ingeniös-versponnenen Schweizer Schriftsteller, war dies kein Problem. Man musste nur die Zeit richtig einteilen und Worte finden, mit denen sich die Existenz (und deren Brüchigkeit) auch in gedankenscharfen Miniaturen beschreiben ließe. Nachgerade in Vollendung gelang dies dem 2018 verstorbenen...
Nein, die blaue Libelle fliegt hier nirgendwo hin. Wie auch, wo sie keine Flügel hat und weit und breit kein Gewässer zu sehen ist, stattdessen aber eine schäbige, mit Kritzeleien beschmierte Häuserfront im Dämmerlicht. An der lehnt, allein, einsam und nervös rauchend, die hinzuerfundene Mutter der Füchsin. Augenblicklich wird klar, die «Libelle» (Alessia Aurora...
