Kleine, große Welt
Das Café Central, lesen wir bei Alfred Polgar, sei «kein Caféhaus wie andere Café-häuser, sondern eine Weltanschauung, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschauen». Auf der Bühne des Musiktheaters an der Wien im Museumsquartier sieht man jedenfalls genau das Café Central. Mit großer Liebe zum Detail hat Silke Bauer das altehrwürdige, kulturhistorisch bedeutsame, mittlerweile freilich fest im merkantil-touristischen Griff befindliche Lokal nachgebaut: ein spektakulär realistisches Einheitsbühnenbild.
Animierte Videos (Roman Hagenbrock) simulieren hinter den Fensterfronten den Blick in die Herrengasse. Das Kaffeehaus als kleine Welt, in der die große ihre Probe hält? Steht der zum Kommerz verkommene Kult um das Getränk für einen alten, schal gewordenen Glauben? Was entwickelt sich als Alternative dazu – Cold-Brew-Muckefuck-Latte? Religionen und Lebensentwürfe prallen tatsächlich aufeinander in Händels «Theodora», seinem vorletzten, handlungsarmen und 1750 in London bald abgesetzten Oratorium rund um eine christliche Märtyrerin: Selbst angedrohte Vergewaltigung und Tod bringen sie nicht vom Glauben ab. Wie bringt man dergleichen auf die Bühne? Regisseur ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Walter Weidringer
Richard Straussens «Elektra» ist zwar, der monströsen Musik zum Trotz, ein kompaktes Werk; dass es aber ausgerechnet in einem Ausweichquartier zu einer seltenen Kraft und Durchdringung kommt, war so nicht zu erwarten. Der Regisseurin Nina Russi und dem Dirigenten Enrico Calesso gelingt dieses eigentlich gar nicht so kleine Musiktheaterwunder in der Theaterfabrik...
Und darum ist ja ewig dieser Wirrwarr von Einst und Jetzt und Später in dir» – das wird Anatol von seinem Freund Max in Arthur Schnitzlers Schauspiel «Anatol» von 1892 vorgehalten. Von Schnitzler zu Hugo von Hofmannsthals «Rosenkavalier»-Dichtung vergehen wenige Jahre, 1911 wird sie als «Komödie für Musik» von Richard Strauss uraufgeführt.
Der Begriff «Wirrwarr»...
Die Tonart verheißt wenig Gutes. h-Moll, das klingt nach Unheil, nach Verderben, sogar nach Tod. Und all dies fürchten die Hebräer, denen man zuvor die Freiheit geraubt hat. Aus den Lamellen schleichen sie nun herein, barfüßig, bangen Blickes, die Körper geduckt, die Hände gen Himmel gereckt, als breiige Masse, gekleidet in schwarze Traueranzüge, unter denen sich...
