Im Blick der Kamera
Neben ihrem dokumentarischen Wert besitzen DVD-Aufzeichnungen von Opernproduktionen eine Korrektivfunktion: Während in der Hochspannung des Premierenabends das musikalische Ergebnis oft unter den Möglichkeiten der Beteiligten bleibt, kommt die meist aus mehreren Folgeabenden zusammengeschnittene DVD dem erhofften Ideal weit näher. Missglückte Spitzentöne und verpasste Einsätze sind eliminiert, Tempi und Ensembles haben sich gewissermaßen «zurechtgeschüttelt».
Die Covent Garden-Produktion von Verdis «Don Carlo» ist dafür ein besonders ohrenfälliges Beispiel: Während die Presse bei der Premiere im Juni 2008 nicht nur den stimmlich prekären Zustand von Startenor Rolando Villazón und die Ermüdungserscheinungen seiner Elisabetta konstatierte, sondern auch Chefdirigent Antonio Pappano rüffelte, ist die DVD weit überzeugender. Natürlich bleibt der Carlos von Villazón mit seiner von emotionalem Überdruck förmlich berstenden Höhe Geschmackssache. Doch von der musikalischen wie von der darstellerischen Gestaltung her dürfte es kaum einen packenderen Carlo geben. Bei Villazón spürt man die Tragik dieser Figur, die sonst ja schnell an den Rand des Geschehens gedrängt wird: Hier geht ein Mensch ...
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