Im Blick der Kamera

DVD-Mitschnitte von «Don Carlo», «Rigoletto», «Rienzi», «Carmen», «Ariadne auf Naxos» und «Król Roger»

Opernwelt - Logo

Neben ihrem dokumentarischen Wert besitzen DVD-Aufzeichnungen von Opernproduktionen eine Korrektivfunktion: Während in der Hochspannung des Premierenabends das musikalische Ergebnis oft unter den Möglichkeiten der Beteiligten bleibt, kommt die meist aus mehreren Folgeabenden zusammengeschnittene DVD dem erhofften Ideal weit näher. Missglückte Spitzentöne und verpasste Einsätze sind eliminiert, Tempi und Ensembles haben sich gewissermaßen «zurechtgeschüttelt».

Die Covent Garden-Produktion von Verdis «Don Carlo» ist dafür ein besonders ohrenfälliges Beispiel: Während die Presse bei der Premiere im Juni 2008 nicht nur den stimmlich prekären Zustand von Startenor Rolando Villazón und die Ermüdungserscheinungen seiner Elisabetta konstatierte, sondern auch Chefdirigent Antonio Pappano rüffelte, ist die DVD weit überzeugender. Natürlich bleibt der Carlos von Villazón mit seiner von emotionalem Überdruck förmlich berstenden Höhe Geschmackssache. Doch von der musikalischen wie von der darstellerischen Gestaltung her dürfte es kaum einen packenderen Carlo geben. Bei Villazón spürt man die Tragik dieser Figur, die sonst ja schnell an den Rand des Geschehens gedrängt wird: Hier geht ein Mensch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2010
Rubrik: Medien / CD, Seite 35
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unerschöpflich menschlich

Die Händelitis treibt weiter Blüten, auch im Jahr eins nach dem großen Jubiläumsrausch. Aus dem Norden Deutschlands kommt eine Aufnahme des «Judas Maccabaeus», eines Werks, das diskografisch merkwürdig unterrepräsentiert ist. Ob’s am relativ handlungsarmen Libretto liegt? Oder an den Schwierigkeiten, eine stimmige Fassung zu erstellen, zumal Händel selbst von...

Zweifelnde Helden

So ganz weg war er nie. Selbst als noch kein Mensch den Barock-Boom vorausahnen konnte, der die Klassikszene erfassen sollte, gehörte Giovanni Battista Pergolesi zu den Komponisten, deren Werke auf Bühnen und Konzertpodien gespielt wurden. Das komische Intermezzo «La serva padrona» war in alten Opernführern lange das einzige Stück, das die Zeitspanne zwischen...

Tanz mit dem Tod

Dass der Tod ein Wiener ist, wissen wir spätestens seit Georg Kreisler. Aber eine wienerische Italienerin? Regisseur Tobias Kratzer vollbringt diesen Spagat, indem er die Intrigantin Annina als weiblichen Tod auftreten lässt, und macht gleichzeitig ihren Partner Valzacchi zu einer allegorischen Verkörperung der Zeit – zwei Figuren aus dem Umkreis des...