Illusionslos

Bizet: Carmen
HANNOVER | STAATSOPER

Manisch tritt der junge Mann auf der Stelle, sieht so verhetzt aus wie Woyzeck. Auch der stand einst in den Diensten eines Hauptmanns und wurde – unschuldig schuldig geworden – zum Tode verurteilt. Doch wird sind weder bei Georg Büchner noch bei Alban Berg. An der Staatsoper Hannover steigt Barbora Horáková in Georges Bizets «Carmen» mit einer sportiv performativen Geste des Getrieben-Seins ihres Don José ein, verweigert uns damit diesen mitreißenden Gestus des Stierkampf-Motivs, mit dem sonst die Ouvertüre champagnerspritzig anhebt.

Das Vorspiel ist in der auf zwei Stunden komprimierten Version ebenso gestrichen wie die Chöre und die meisten Rezitative. Dafür hat Marius Felix Lange als musikalischer Bearbeiter der Corona-konformen Fassung Carmen und Don José ihre Sprache zurückgegeben: Sie darf ein Lied auf Caló, er eines auf Baskisch zum Besten geben. Frühformen des Flamenco erhalten damit Einzug in Bizets bedingt authentische Andalusien-Anverwandlung. Habanera und Blumenarie, natürlich in Henri Meilhacs originalem Französisch gesungen, müssen deshalb nicht fehlen. Dafür ist der Orchestersatz auf je drei erste und zweite Geigen ausgedorrt, die Bläser treten solistisch in ...

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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Krause

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