Ideale Synthese
Ein Libretto für eine Symphonie! – ein Orchester, das eine Oper darstellt!» Mit Enthusiasmus für das scheinbar Unmögliche begrüßt Berlioz’ Librettist Émile Deschamps, der zuvor am Libretto von Meyerbeers «Hugenotten» mitgewirkt hatte, die Idee einer Symphonie dramatique mit Gesangssolisten und Chören.
«Roméo et Juliette» wird, nach dem Misserfolg des «Benvenuto Cellini» wenige Monate zuvor, das erste der beiden großen experimentellen Werke, die das, was eine normative Ästhetik «Gattungsmischung» nennen würde, um der größtmöglichen Steigerung der expression willen unter Ausbeutung aller Ressourcen offensiv ins Werk setzen. Dem zweiten, «La damnation de Faust», war nach anfänglich flauer Aufnahme ein Dauererfolg um den Preis eines Missverständnisses beschieden: Diese Opéra de concert (wie Berlioz sie zwischenzeitlich nannte) hat seit Raoul Gunsbourgs szenischer Aufführung 1893 in Monte Carlo als dramaturgisch modernes Werk voller diskontinuierlicher Filmschnitte die Opernbühnen erobert.
Der sensationelle Uraufführungserfolg von «Roméo et Juliette» 1839 aber hat umgekehrt nie ähnliche Konsequenzen gehabt, von einem halbherzigen Vertanzungsversuch durch Sasha Waltz’ Truppe einmal ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Klaus Heinrich Kohrs
Erlösung dem Erlöser», auch das hätten die letzten Worte sein können, herabwehend aus irgendeiner Beleuchterbrücke des Nürnberger Opernhauses. Nun beschließt aber «Corriam tutti a festeggiar» die Amtszeit von Joana Mallwitz. «Le nozze di Figaro» also statt «Parsifal», der den großen Corona-Verschiebungen des fränkischen Spielplans zum Opfer gefallen ist. Genau...
Die Wirklichkeit ist eine (im besten Sinne) merkwürdige Angelegenheit. In jeder Sekunde tauchen wir in sie ein, nur wähnend, was uns in ihren Tiefen erwartet, was sie uns entgegenbringt, ja: woraus sie grundlegend besteht und als was wir dieses Grundlegende deuten dürfen. Wir definieren Wirklichkeit und müssen doch zugestehen, dass dies wenig nützt, weil die...
Eines war schon vorab klar: Puccinis Tragedia giapponese soll anders erzählt, neu erklärt werden. Nur, wie kann das gehen? Die österreichische Schauspielerin und Regisseurin Angelika Zacek, eine gebürtige Wienerin, ausgebildet im Fach Regie an der Hochschule Ernst Busch in Berlin, hat am Anhaltischen Theater Dessau jetzt ihre zweite Operninszenierung abgeliefert....
