Ideale Synthese

John Nelson setzt mit «Roméo et Juliette» und «Cléopâtre» sein Berlioz-Projekt in Strasbourg fort, Michael Spyres brilliert als Solist im Liedzyklus «Les nuits d’été»

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Ein Libretto für eine Symphonie! – ein Orchester, das eine Oper darstellt!» Mit Enthusiasmus für das scheinbar Unmögliche begrüßt Berlioz’ Librettist Émile Deschamps, der zuvor am Libretto von Meyerbeers «Hugenotten» mitgewirkt hatte, die Idee einer Symphonie dramatique mit Gesangssolisten und Chören.

«Roméo et Juliette» wird, nach dem Misserfolg des «Benvenuto Cellini» wenige Monate zuvor, das erste der beiden großen experimentellen Werke, die das, was eine normative Ästhetik «Gattungsmischung» nennen würde, um der größtmöglichen Steigerung der expression willen unter Ausbeutung aller Ressourcen offensiv ins Werk setzen. Dem zweiten, «La damnation de Faust», war nach anfänglich flauer Aufnahme ein Dauererfolg um den Preis eines Missverständnisses beschieden: Diese Opéra de concert (wie Berlioz sie zwischenzeitlich nannte) hat seit Raoul Gunsbourgs szenischer Aufführung 1893 in Monte Carlo als dramaturgisch modernes Werk voller diskontinuierlicher Filmschnitte die Opernbühnen erobert. 

Der sensationelle Uraufführungserfolg von «Roméo et Juliette» 1839 aber hat umgekehrt nie ähnliche Konsequenzen gehabt, von einem halbherzigen Vertanzungsversuch durch Sasha Waltz’ Truppe einmal ...

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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Klaus Heinrich Kohrs

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