Ideale Synthese
Ein Libretto für eine Symphonie! – ein Orchester, das eine Oper darstellt!» Mit Enthusiasmus für das scheinbar Unmögliche begrüßt Berlioz’ Librettist Émile Deschamps, der zuvor am Libretto von Meyerbeers «Hugenotten» mitgewirkt hatte, die Idee einer Symphonie dramatique mit Gesangssolisten und Chören.
«Roméo et Juliette» wird, nach dem Misserfolg des «Benvenuto Cellini» wenige Monate zuvor, das erste der beiden großen experimentellen Werke, die das, was eine normative Ästhetik «Gattungsmischung» nennen würde, um der größtmöglichen Steigerung der expression willen unter Ausbeutung aller Ressourcen offensiv ins Werk setzen. Dem zweiten, «La damnation de Faust», war nach anfänglich flauer Aufnahme ein Dauererfolg um den Preis eines Missverständnisses beschieden: Diese Opéra de concert (wie Berlioz sie zwischenzeitlich nannte) hat seit Raoul Gunsbourgs szenischer Aufführung 1893 in Monte Carlo als dramaturgisch modernes Werk voller diskontinuierlicher Filmschnitte die Opernbühnen erobert.
Der sensationelle Uraufführungserfolg von «Roméo et Juliette» 1839 aber hat umgekehrt nie ähnliche Konsequenzen gehabt, von einem halbherzigen Vertanzungsversuch durch Sasha Waltz’ Truppe einmal ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Klaus Heinrich Kohrs
Für Enthusiasten des italienischen Belcanto ist das Londoner Label Opera Rara Kult. 62 editorisch wie künstlerisch mustergültig betreute Gesamtaufnahmen fast durchweg vergessener Opern von Giovanni Simone Mayr bis Ruggero Leoncavallo sind dort erschienen. Den Anfang machte 1978 Gaetano Donizettis «Ugo, Conte di Parigi», dem seither allein 26 weitere Opern dieses...
Man muss nicht zwingend ein Buddhist sein, um den tieferen Charme dieses Satzes zu begreifen, seine gerade auf die Defizite der westlichen Spätmoderne anwendbare weltanschauliche Evidenz: «Der Weg ist das Ziel.» Bei der Premiere von Messiaens Musiktheater «Saint François d’Assise» Ende September 2002 an der San Francisco Opera wurde das philosophische Bonmot zu...
Hätte irgendeine Art von Schöpfer auf Bazon Brock gehört, der Tod wäre längst abgeschafft. Doch dann gäbe es auch Claudio Monteverdis «L’Orfeo» nicht. Die berühmte Favola in Musica von 1607, die vom Leuchten und vom Leid des großen Sängermenschen und Menschensängers Orfeo in derart schönen, schmerzvollen Tönen erzählt, dass man ihr Fehlen – gäbe es sie nicht – als...
