Dschungeltiere
Seit 2015 leitet François-Xavier Roth die Kölner Oper als Musikchef: eine Zeit der Provisorien, des finanziellen Missmanagements und der organisatorischen Plagen, welche die bis heute nicht abgeschlossene Sanierung von Opern- und Schauspielhaus am Offenbachplatz mit sich brachte. 2025 wird Roth als Chefdirigent zum SWR Symphonieorchester zurückkehren, das er einst im Zorn über die Fusion der beiden Klangkörper aus Stuttgart und Baden-Baden/Freiburg verließ. Ob er dann die Kölner Zeit in guter Erinnerung haben wird, weiß nur er selbst.
Zweifellos aber hat er Spuren hinterlassen – vor allem als kluger Programmplaner für die Konzerte des Gürzenich-Orchesters, mit dem er eine breite Stilpalette von der frühen Klassik bis zur (vorzugsweise französischen) Moderne einstudiert hat. Selten präsentierte sich das Orchester in seiner jüngeren Geschichte klanglich so feinnervig und flexibel. Roths Vorstellung einer «Musik als Klangrede», die er mit dem von ihm gegründeten Orchester Les Siècles erprobt hat, bewirkte in der Musik der Romantik oder des Impressionismus wahre Wunder an Intensität und faszinierender Detailarbeit; da sitzt man auch als Hörer stets auf der Stuhlkante. Weniger ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Michael Struck-Schloen
Wenn seine Frau Martina ihn rief, wählte sie als Kosenamen gern die Titelfigur einer berühmten Verdi-Oper. Unzählige Male müssen die beiden «Il trovatore» gemeinsam erlebt haben; ein Stück, das für das Besetzungsbüro bekanntlich die einfache Herausforderung bereithält: Man muss für die Hauptrollen nur die vier besten Sänger der Welt engagieren, wie Enrico Caruso...
Herr Zeppenfeld, Anfang Februar haben Sie an der Dresdner Semperoper die Titelpartie in Verdis «Attila» gesungen, es folgte der Graf Rodolfo in Bellinis «La sonnambula». Ist es eine Genugtuung, dass Sie endlich wieder im italienischen Fach besetzt werden?
Irgendwie schon. Das Fach wird ja deutschen Sängern normalerweise nicht zugetraut. Und es ist eine Self-fulfill...
Wir sind in einem mittelalterlichen Märchenland des Ariost. Einem sagenhaften Schottenreich. Wir sind in der Oper. Eine Prinzessin, Ginevra, entsteigt dem Baldachinbett. Ihre Zofe, Dalinda, hält ihr bei der Morgentoilette neckisch ein britisches Boulevardblatt entgegen. Auf der Titelseite prangt das Konterfei der Königstochter neben dem ihres Anbeters. Ihm weiht...
