Hymnen an die Nacht
Verfluchter Tag mit deinem Schein! Wachst du ewig meiner Pein?», lamentiert Wagners Tristan. Er wendet sich ab vom Tageslicht, als verletze es ihn. Doch nicht eine seltene Lichtkrankheit plagt Isoldes Geliebten; vielmehr huldigt dieser der romantischen Ideologie, wonach das ersehnte Nachtdunkel als Inspirationsquelle zu verstehen sei. Das Booklet der CD «Insomnia» erwähnt in diesem Zusammenhang Novalis und seine «Hymnen an die Nacht» sowie Lord Byron, der den Mond «The Sun of the Sleepless» nannte.
Katharina Konradi (Sopran) und Ammiel Bushakevitz (Klavier, Gitarre) haben den Zustand der Schlaflosigkeit zum Motto ihres Schubert-Albums erhoben. Denn nicht erst seit Udo Samel in Fritz Lehners Schubert-Film «Mit meinen heißen Tränen» weiß man, dass «Schwammerl», wie Freunde den Komponisten nannten, häufig nur schlecht oder gar nicht geschlafen hat.
Als der Film 1986 im Fernsehen lief, war Konradi freilich noch nicht geboren. Sie kam zwei Jahre später im kirgisischen Bischkek zur Welt. Die Nähe zur Sprache Schuberts fand sie erst mit 15, als Folge ihrer Übersiedlung nach Hamburg. Auch dem Pianisten Ammiel Bushakevitz, geboren in Jerusalem, aufgewachsen in Südafrika, wurde Schuberts ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Gerhard Persché
In ihrem neuesten Soloalbum spürt die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus einer Gattung nach, die mit dem Ende des Barockzeitalters ausstarb – der weltlichen Solo-Kantate. Ihren Höhepunkt besaß diese um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert in Italien und Frankreich. Mit Stoffen vornehmlich aus dem Bereich der Bukolik, aber auch der antiken Mythologie,...
Gian Carlo Menotti ist ein junger Mann, als er auf die Frage, wie er es geschafft hat, die Bürokratie zu überwinden, um in einer kleinen Stadt im grünen Herzen Italiens ein neues Festival ins Leben zu rufen, antwortet: «Glaube, Beharrlichkeit und Glück». Man schreibt das Jahr 1959, Menotti arbeitet schon seit mindestens drei Jahren an der Idee, völkerverbindende...
Entwürfe sind, im Leben wie in der Kunst, etwas Feines. Ihnen genügt der Vorschein des Vollendeten, die Aura der Andeutung; sie erlauben es, lustvoll mit Dingen zu jonglieren, fantasievoll zu fabulieren, sogar grenzenlos zu spekulieren – und das ohne den Zwang, die Ideen eins zu eins an die Realität anzupassen. Entwürfe bergen jenen Zauber, den Robert Musil in...
