Horch, was klingt von droben rein
Mit Michael ging es los. Dem Hausheiligen und Schutzpatron, der «höchsten geistigen Macht» des Komponisten. Sein Tag ist der «Donnerstag», das älteste Stück des siebenteiligen «Licht»-Zyklus, an dem Karlheinz Stockhausen von 1978 bis 2003
arbeitete. Ein Tag des «Lernens», der spirituellen Besinnung, der kosmischen Entgrenzung des Bewusstseins. Dann war Luzifer an der Reihe, Gegenspieler Michaels und der Urmutter Eva, der dritten Hauptfigur des 29-stündigen Gesamtkunstwerks. Dem Geist, der stets verneint und gern verlacht, ist der «Samstag» gewidmet.
Ein dunkler, aufregender Tag, der mit einem Exerzitium am Flügel beginnt und mit einem gesungenen, von Orgelklang, schwerem Blech, einem «Teufelsbläser», Karfreitagsklappern, Messschellen, Männerstimmen und knallenden Holzpantinen grundierten Exorzismus endet. Komplett war der «Samstag» bislang nur in Mailand (1984) und Amsterdam (1984) zu erleben; der «Donnerstag» harrt seit der Mailänder Uraufführung (1981) und einer Produktion am Londoner Covent Garden (1985) einer neuen Deutung. Fast drei Jahrzehnte also hat es gedauert, bis sich in Deutschland jemand daran machte, alle vier Luzifer-Szenen im Zusammenhang zu präsentieren. Bei der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Albrecht Thiemann
Jubilare
Obwohl er nie in Bayreuth aufgetreten ist, galt er vielen als bedeutendster Wotan und Holländer seiner Generation: Robert Hale, geboren in Texas, hat sich Zeit gelassen bei der Entwicklung seiner Bassbariton-Stimme. 1965 debütierte er in Denver als Mozart-Figaro, gehörte dann zehn Jahre zum Ensemble der New York City Opera. In Europa hatte er seine größten...
Tristanakkord. Zwittergebilde, Sinnbild der romantischen Sehnsucht nach der Unio mystica. Vom ersten Rang aus beobachten wir Franz Welser-Möst dabei, wie er mit dem Staatsopernorchester jenen legendären Klang zubereitet. Eher sachlich wirkt er. Doch Welser-Möst wirkt am Pult immer eher sachlich, Dirigenten-Show und Geniegehabe sind ihm fremd – wobei er sich neben...
Die Königin der Nacht: mochte sie nicht («Keine Chance, aus der Figur etwas zu machen», sagte sie unlustig im Vorfeld der Salzburger «Zauberflöte» von Achim Freyer im Jahr 1997). Blondchen: mochte sie auch nicht. Überhaupt: Es gebe sehr wenige Rollen für sie, mit ihrer kleinen Stimme. Und jetzt, mit 48, denkt sie ans Aufhören. Juliette? Lucia? Adina? «In meinem...
