Endlosschleife

Janáček: Die Sache Makropulos
DESSAU | ANHALTISCHES THEATER

Opernwelt - Logo

E. M. – hinter den mysteriösen Initialen verbirgt sich nicht nur der Name einer gefeierten Operndiva, sondern zugleich auch der Wirklichkeit gewordene Menschheitstraum von ewiger Jugend – freilich zum Preis eines halt- und ziellosen Lebens. Denn Emilia Marty, die Leoš Janáček in seiner vorletzten, 1926 uraufgeführten Oper «Věc Makropulos» («Die Sache Makropulos») in den Mittelpunkt rückt, ist eine tragische Figur.

Nach unfreiwilliger Verabreichung eines lebensverlängernden Elixiers dazu bestimmt, durch die Jahrhunderte zu wandeln, wird sie zur Strippenzieherin eines aberwitzigen Erbschaftsstreits. Vordergründig eine schwarzhumorige Kriminalkomödie, angesiedelt im Prag der Zwischenkriegszeit, machte Janáček aus der «utopistischen Fabel» seines Landsmannes Karel Čapek eine vielschichtige Parabel über das menschliche Dasein als Kreislauf von Werden und Vergehen.

Für deren Ausdeutung bedient sich Regisseur Jakob Peters-Messer in seiner Inszenierung am Anhaltischen Theater Dessau einer klug zurückgenommen Bildsprache. Der Bühne als ruinösem Theaterraum ist der Wechsel der Zeitläufte eingeschrieben, die anachronistischen Kostüme heben diesen wieder auf, helfen aber, das personenreiche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Werner Kopfmüller

Weitere Beiträge
Richards Traum

Man mag es kaum glauben, dass hinter der trostlosen Fassade mit dem bröckligen Mauerwerk und den verwitterten Fensterrahmen einmal Musikgeschichte geschrieben wurde. Immerhin verkündet eine Gedenktafel, dass ein gewisser Rihards Vāgners zwischen 1837 und 1839 in dem Haus als Dirigent und Komponist tätig war und dass außerdem 1842 Ferenzs Lists, 1844 Klāra...

Auf der Achterbahn

Über seine wahre Herkunft lässt der rätselhafte Gralsritter Lohengrin das staunende Bühnenvolk wissen: « ... ein lichter Tempel stehet dort inmitten ...». Ein ganz anderes Erstaunen kennt der Opernbesucher in Chemnitz: Lohengrins Tempel, darf man fantasieren, wäre im Grunde genau hier zu verorten, an dem bei anbrechender Dunkelheit schimmernd bestrahlten Haus auf...

Tunnelblick

Wer in Verdis «Don Carlos» auf der Bühne den Wald von Fontainebleau, das Kloster San Yuste, den Platz vor der Kathedrale in Valladolid, das Zimmer des Königs oder Carlos’ Gefängnis erwartet, sitzt in Roland Schwabs Inszenierung im falschen Film. Der Blick trifft auf die nackten Betonwände eines fahl von kaltem Neonlicht beleuchteten Autotunnels, dessen Fluchtpunkt...