Rätselhaft klar
In der vergangenen Spielzeit machten diese neuen Stücke den stärksten Eindruck: Heinz Holligers «Lunea» nach Nikolaus Lenau in Zürich (die «Uraufführung des Jahres»), Aribert Reimanns «L’Invisible» nach Maurice Maeterlinck an der Deutschen Oper Berlin, Toshio Hosokawas «Erdbeben. Träume» nach Heinrich von Kleist in Stuttgart und Arnulf Herrmanns «Der Mieter» nach Roland Topor in Frankfurt. Deutet sich da etwa eine Renaissance der Literaturoper an? Eher nicht. Um die «Vertonung» literarischer Vorlagen geht es in keinem Fall.
So wenig wie um eine Rückkehr zum linearen Erzählen. Hier wie dort, Treibstoff der klangdramatischen Fantasie sind Träume, Erinnerungen, Projektionen – die (stummen) Dramen des Vorbewussten. Vier Schlaglichter
Heinz Holliger ist bei all seinen musikalischen Tätigkeiten immer auch ein Entdecker: Als Interpret ist er für die Oboe das, was Paganini für die Geige oder Chopin fürs Klavier waren: Er erschuf das Instrument gleichsam neu. Als Dirigent spürt er vernachlässigtes Repertoire auf, beim Komponieren sucht und findet er immer wieder vergessene Texte und Autoren. Zentral sind seine Beschäftigungen mit Robert Walser und, mehr noch, mit Friedrich Hölderlin, der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wie viel Antisemitismus steckt in den «Meistersingern»? Schwingen in der Figur Beckmessers die judenfeindlichen Reflexe Richard Wagners mit? War «die heil’ge deutsche Kunst», von Hans Sachs beschworen, als Kampfbegriff angelegt, oder wurde das Stück erst später nationalistisch vereinnahmt? Kann man, zumal nach dem Kniefall der Bayreuther Festspiele vor dem...
Etwas war anders als sonst. Ziemlich anders. Nicht mehr vier Teile, sondern nur deren drei enthielt das gemeinsam von Tatjana Gürbaca (Regie), Bettina Auer (Dramaturgie) und dem Dirigenten Constantin Trinks realisierte «Ring»-Projekt im Theater an der Wien. Grundidee war es, die Geschichte aus dem Blickwinkel der Opfer, der jungen Generationen in Wagners Zyklus,...
Herr Loebe, Sie sind seit 16 Jahren Intendant in Frankfurt. Was macht das Fundament eines guten Opernhauses aus?
Wichtig ist, dass die Kollektive – Orchester und Chor, aber auch Bühnentechnik, die verschiedenen Abteilungen – wie selbstverständlich auf einem hohen Niveau arbeiten, auf dem man immer noch etwas herauskitzeln kann. Wir haben in Frankfurt die Situation,...
