Höllensturz
Franz Schreker ist gewiss der tragischste Fall in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Erfolgsstücken «Der ferne Klang» (1912), «Die Gezeichneten» (1918) und «Der Schatzgräber» (1920) war er zu Beginn der Weimarer Republik neben Richard Strauss der meistgespielte lebende Opernkomponist. Doch es bedurfte nicht erst der Nazis, um den Juden Schreker von der Bühne zu vertreiben.
In tragischer Ironie hatte er dies selbst bewirkt, weil er als Künstler «stehen geblieben» war, mit der veränderten Zeit kaum mithalten konnte und sich nicht weiterentwickelte, wie sein prominentester Fürsprecher, der Kritiker Paul Bekker, 1934 in seinem Nachruf schrieb. Die späteren Opern waren schneidende Misserfolge und sind es, allen Bemühungen zum Trotz, bis heute geblieben, wie zuletzt das Bonner Engagement für die mehr als sperrige Bekenntnis-Oper «Der singende Teufel» (OW 7/2023) unmissverständlich klar machte.
Der verbitterte Schreker muss sich dessen bewusst gewesen sein. Anders lässt sich der überraschende Entschluss nicht nachvollziehen, die bis dahin in seinem Schaffen dominierende Finde-Siècle-Atmosphäre der Wiener Moderne aufzugeben und sich dem Zeitgeist in die Arme zu werfen. ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 11
von Uwe Schweikert
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