Höhere Mächte
Richard Strauss’ Oper «Die Frau ohne Schatten», zwischen 1911 und 1917 entstanden, wird nicht so oft aufgeführt, wie es ihrem überragenden Rang gebührte. Das hat handfeste praktische Gründe. Das Werk benötigt erstens ein riesiges Orchester mit entlegenen Instrumenten wie Bassetthorn, Glasharmonika und chinesischen Gongs. Zweitens sind fünf Hauptrollen zu besetzen, die allesamt das viel strapazierte Epitheton «mörderisch» verdienen. Drittens steht auch das Regieteam vor einer gleich dreifachen Herausforderung.
Es muss Ideen finden für die szenische Umsetzung der Zaubereinlagen der allegorischen Märchenhandlung; es muss deutlich machen, wo die jeweilige Szene spielt (in der Welt der Geister, jener des Kaisers – oder jener des armen Färberpaars), und es muss entscheiden, ob es Hofmannsthals Dichtung mit ihren komplexen Reflexionen zu Liebe, Ehe und Elternschaft textgetreu auf die Bühne bringen oder umdeuten möchte.
Gegenwärtig hat das Stück Konjunktur. Nach Aufführungen bei den Osterfestspielen Baden-Baden und jüngst zur Saisoneröffnung an der Oper Köln führen nun zwei Neuproduktionen in Lyon und Stuttgart die Bandbreite der Lösungen zu diesen drei Problemkreisen vor Augen – und zu ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 18
von Marc Zitzmann
Für Alban-Berg-Süchtige ist der typografisch ansprechend gestaltete Band im Kunstkatalogformat eine Fundgrube. Man kann diesem Komponisten, dem als Einzigem das Kunststück gelang, die Rechenexempel der Dodekaphonie mit der todessüchtigen Dekadenz der Spätromantik zu versöhnen, in allen Lebenslagen folgen – vom Kinderbild des Zweijährigen bis zur letzten Fotografie...
Eigentlich ist die Causa sternenklar. Franz Schubert komponierte seine mehr als 600 Lieder für Stimme und Klavier. Dennoch fühlten und fühlen sich zahlreiche Komponisten und Arrangeure nach seinem Dahinscheiden dazu berufen, die Originalwerke zu orchestrieren – die Liste reicht von Johannes Brahms und Jacques Offenbach über Max Reger, Benjamin Britten und Anton...
Musentempel
Es ist eine stolze Zahl: Seit der Gründung des New National Theatre Tokyo im Februar 1997 hat das Haus 650 Produktionen auf die Bühne gebracht, in den Sparten Oper, Zeitgenössischer Tanz und Schauspiel. Nun kommt am NNTT Verdis Drama «Simon Boccanegra» heraus, Regie führt Pierre Audi. Welche Philosophie dahintersteckt?
Wir fragen nach
Wegbereiter
Mit...
