Histofuturistisch
Kreta – an der Semperoper zeigt sich die Insel als ästhetische Mischung aus Raffaello-Werbewelt und Science Fiction. Die Bühne dominiert ein breiter Steg, überspannt von vier Rahmen, auf die das Meer projiziert werden kann, gepeitschter Schaum, azurne Ruhe. Kathrin-Susann Brose skizziert so eine barocke Gassenbühne. Sie kann ein Schiffsdeck sein oder die Rampe eines Space Shuttles. Historisch und futuristisch zugleich, wie Idomeneo. Michael Schulz will das Zwitterwesen aus Typen- und Charaktertheater hervorkehren.
So geht es der barocken Prachtschnepfe Elettra wie den Märchenfiguren im Disney-Film Enchanted, die sich aus der Zeichentrick- in die reale Welt verirren und dort geradezu außerirdisch wirken. Elettra schreitet zwischen den in weißen Sommerroben puristisch gewandeten Kretern umher und wünscht sich wohl, sie hätte noch die Zauberkraft einer Händel’schen Alcina, um Ilia und Idamante zu trennen. Faktisch bleibt sie eine machtlose Randfigur, die ihre Arien denn auch meist für sich singt. Am Schluss begreift sie, dass es Zeit wird, sich anzupassen; mit «D’Oreste, d’Aiace» reißt sie sich die grelle Satinrobe vom Leib und wird in schlichtem Kittel zeitgemäß.
Rachel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Wiebke Roloff
Zur bürgerlichen Kunst der Oper besaß Hanns Eisler, der «Komponist, Weltbürger, Revolutionär», wie ihn Friederike Wißmann im Untertitel ihrer Biografie nennt, ein kritisches Verhältnis: Der hochbegabte Schönberg-Schüler konnte Pathos und demonstrative Erhabenheit nicht ausstehen. Mit Ausnahme der (gescheiterten) Oper Johann Faustus spielte das Musiktheater bei ihm...
Kaum zu glauben: 1978 wurde Donizettis Lucia di Lammermoor zuletzt am Hessischen Staatstheater Wiesbaden inszeniert. Seither überließen, von Gastspielen bei den Maifestspielen abgesehen, Generationen von Intendanten das Stück den umliegenden Theatern im Rhein-Main-Gebiet. Jetzt hat Manfred Beilharz das Stück auf den Spielplan gesetzt. Konstanze Lauterbach ist an...
I n der Nacht zum 10. November ist der Bundeskulturetat um stolze 100 Millionen Euro gewachsen, acht Prozent, das ist kein bloßer Inflationsausgleich. Kulturstaatsminister Bernd Neumann nennt seinen achten Erfolg in Serie einen «Glückstag für die Kultur». Kulturförderung sei eben «keine Subvention, sondern eine unverzichtbare Investition in die Zukunft unserer...
