Hinreißend
Hier stimmt einfach jedes Detail. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass dieses Libretto vor mehr als 300 Jahren entstand und nicht erst vor ein paar Monaten. Vincenzo Grimani schrieb es, überaus frei im Umgang mit der römischen Geschichtsschreibung. «Agrippina», Händels erster großer Bühnenerfolg, wird in Zürich zu einem aufregenden, absolut heutigen Abend, bei dem all das aufgeht, was bei vielen Opernübertragungen in einem anderen Erzählkontext oft ein bisschen knirscht.
Und das gelingt auch noch mit einer unaufgeregten Selbstverständlichkeit: mit ungeheurer Präzision und großartigen Sängerdarstellerinnen und -darstellern.
Aus der Geschichte um Agrippina, die ihren Sohn aus erster Ehe auf den Thron Roms wuchten will, als sie erfährt, der Kaiser, ihr Mann Claudio, habe auf See den Tod gefunden, macht Jetske Mijnssen einen Krimi um Liebe, Gier und Macht, der an so großartige Serien wie «Succession» oder «House of Cards» erinnert, ohne diese je zu kopieren. Zur Ouvertüre sieht man einen Film: Abendessen in der familiären Firmenzentrale. Am Tisch Agrippina, Claudio, Nerone sowie Ottone, Claudios bester Freund und späterer Lebensretter. Claudio wird übel, er bricht zusammen, vermutlich ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Egbert Tholl
Bei allem gebotenen Ernst: Das hier einmal ausgesprochen physisch dargebotene Schlussgerangel um den Ring, in dessen Verlauf die Rheintöchter Hagen buchstäblich niederringen, ist dann doch ziemlich lustig. Hin und her geht es. Hagens «Zurück vom Ring!», immerhin die letzten Worte des Stücks, bleiben folgenlos, wie ja generell das vielleicht sinnvolle Abstandsgebot...
Ach ja, die Liebe. Schwierige Angelegenheit. Wer mit ihr in Berührung kommt, begibt sich unweigerlich in große Gefahr (und kommt nicht selten darin um), wer ihr ausweicht, hat etwas Wesentliches im Leben außer Acht gelassen. Das wissen wohl auch Margarita und die Mädchen, wenn sie zu Beginn des zweiten Akts von Louise Bertins «Fausto» den Chor «Fuggite amor»...
Aus der Schweiz dringt ungute Kunde zu uns: Luzerns Stimmbürgerinnen und -bürger votierten Anfang Februar gegen einen sogenannten «Projektierungskredit» für den Neubau des städtischen Theaters. 58 Prozent der Befragten stimmten mit Nein, und das, obwohl das Stadtparlament sich zuvor einhellig, über alle Parteigrenzen hinweg, für das mit 130 Millionen Schweizer...
