Droge, Faust, Sündenfall

Das Aalto-Theater zeigt zum Auftakt des Frauen-Festivals «her:voice» Louise Bertins Meisterwerk nach Goethe

Opernwelt - Logo

Ach ja, die Liebe. Schwierige Angelegenheit. Wer mit ihr in Berührung kommt, begibt sich unweigerlich in große Gefahr (und kommt nicht selten darin um), wer ihr ausweicht, hat etwas Wesentliches im Leben außer Acht gelassen.

Das wissen wohl auch Margarita und die Mädchen, wenn sie zu Beginn des zweiten Akts von Louise Bertins «Fausto» den Chor «Fuggite amor» anstimmen, aber so sanft, dass man den Damen kaum glaubt, was sie da singen, zumal nur wenige Minuten später jenes schwärmerischschöne Liebesquartett erklingt, dessen Worte (wie auch die musikalische Untermalung) keine Zweifel lassen, wohin der Weg führt: «Fra quell’ombra»: Komm mit mir unter diese Bäume. Und so geschieht seinesgleichen: Sie alle, nicht nur die Titelfigur, Margarita, Mefistofele und Catarina (die bei Bertin die Rolle von Goethes Marthe Schwerdtlein übernimmt) sind viel zu sehr berauscht, um nicht das Wagnis des flüchtigen Glücks zu suchen.

Ein Wagnis ist es auch, ein Stück wieder auf den Spielplan zu nehmen, das noch vor zwei Jahren kaum jemand kannte. Das Aalto-Theater Essen hat es dennoch getan und damit in gewisser Weise beinahe ein Unikum geschaffen. Mag Bertins so berührend-berückende wie burschikos ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2025
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Und dann leuchtet diese Welt plötzlich

Aparter Name. «Milchmanns Kaffeehaus», das klingt nach Behaglichkeit. Nach Poesie, vielleicht sogar nach Stille. Und genau so ist dieses unweit des S- und U-Bahnhofs Pankow gelegene Berliner Café auch. Unaufdringlich, hell, mit schlichten Holztischen, stabilen Küchenstühlen und mit großen Fensterscheiben, die das Sonnenlicht hereinlassen, sowie Menschen, die hier,...

Auf Augenhöhe

Wer in Düsseldorf das Opernhaus besucht, zumal wenn die Sonne scheu-warm vom Himmel auf den benachbarten Hofgarten herabblinzelt, kommt um den wohl größten Sohn der Stadt kaum herum. Und so muss man auch an diesem milden Spätwintertag sogleich an Heines Gedicht «Frühling» denken, an diese lichten, leichten Verse: «Die Wälder und Felder grünen, / es trillert die...

Zauber der Verwandlung

Die Herren, wiewohl Landsleute und beide mit reichlich Geist gesegnet, waren uneins. Während Samuel Pepys, dessen Tagebücher aus den Jahren 1660 bis 1669 eine noch heute stetig sprudelnde Quelle der Inspiration bilden, Shakespeares Schauspiel «A Midsummer Night’s Dream» mit einem Federstrich abkanzelte («Es ist das albernste und geschmackloseste Stück, das ich je...