«Hingabe ist wichtiger als technische Präzision»
Mrs Joshua, in Robert Carsens Produktion von Händels «Semele» haben Sie das berühmte «Oh sleep, why dost thou leave me» nackt gesungen. Hat Sie das Überwindung gekostet?
Einfach war das für mich nicht. Schließlich ging ich in dieser Szene völlig nackt zur Seitenbühne ab, wo immer eine Menge Leute standen und glotzten. Aber in der Situation war es einfach unumgänglich: Schließlich kommt Semele gerade aus Jupiters Bett und geht nach ihrem Arioso wieder zu ihm – das hätte im Nachthemd wohl kaum überzeugend gewirkt.
Dass ich die Szene dann gemacht habe, liegt allerdings auch an Robert Carsen: Ich weiß, dass ich ihm vertrauen kann und er mich auf der Bühne nie peinlich aussehen lassen würde.
Die Szene war allerdings gar nicht in erster Linie sexy, sondern eher berührend und intim.
Das sollte sie auch sein. Die Herausforderung an den Regisseur wie an mich als Sängerin ist es doch, Semele nicht als miese Schlampe, sondern als verletzliches Geschöpf, als Opfer ihrer eigenen Wunschträume zu zeigen. Deshalb darf auch die Arie «Myself I shall adore» kein bloßes Koloraturfeuerwerk sein, sondern muss das Publikum verführen. Die Leute müssen erst mit Semele lachen, damit sie später über ihr ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bevor wir «Idomeneo» in der Helmut-List-Halle hinter dem Grazer Hauptbahnhof besuchen, schauen wir im Kunsthaus Graz vorbei, der extraterrestrischen blauen Spenderniere am rechten Murufer. In der Ausstellung «Work and Play» zeigt dort der Foto- und Videokünstler Hans van der Meer bis Ende August Amateur-Fußballer Europas beim Spiel. Eine der Video-Szenen...
Ein tönender Überfall. Kopfüber stürzt sich das Orchestre philharmonique de Strasbourg in diesen «Fidelio». Das Fanfarenmotiv am Beginn der Ouvertüre: wie ein Startschuss, schnell, fast schon hastig, alles beiseite drückend, keinen Einwand duldend, basta. Der Straßburger Beethoven-Tonfall ist eher harsch, wie abgerissen, schmucklos drängend, ja, dringlich, Verve...
Stefano Landis «Il Sant’ Alessio» (Rom 1632/34), gesteht William Christie in einem Bonus-Interview des DVD-Mitschnitts aus Caen, sei seit seinem Studium eines seiner Lieblingswerke. Nicht nur die herb-chromatische Musik habe es ihm angetan, sondern vor allem auch die Qualität der Verse. Schon 1996 legte er eine gekürzte und mit Frauen in den hohen Stimmen besetzte...
