Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt
Herr Kowaljow kommt in den Himmel. Schön und gut. Aber wie kommt Herr Kowaljow in den Himmel? Im Stück steht darüber nichts, da bleibt der bedauernswerte Beamte Platon Kusmitsch die ganze Zeit auf Erden, hilf- und ratlos seinen Qualen ausgesetzt; ein Mensch, der keine Nase mehr hat und darüber so unglücklich ist, dass sein Leben vom einen auf den anderen Tag ins Chaos abrutscht. Unglücklich, das ist er auch in der Semperoper Dresden, die Ausstatter Helmut Brade für diesen zweiten Teil in eine kitschigkindliche, blauweiße Idylle verwandelt hat.
Aber anders: komischer, grotesker, absurder. Und das liegt vor allem an den hochrangig-edelmütigen Herren, die Kowaljow, und das buchstäblich, über den Wolken begegnen und die es in den irdischen Niederungen nicht gibt.
Peter Konwitschny war um abwegige Ideen nie verlegen. Auch für Dmitri Schostakowitschs Oper «Die Nase», die auf einer Erzählung von Nikolai Gogol basiert, findet er eine freche, apart-gewitzte, zudem dramaturgisch plausible Lösung: Kowaljow, durch die Widrigkeiten des Lebens aus dem Gleichgewicht geraten, nimmt sich am Ende des ersten Teils mit einer Pistole das Leben. Er kann und er will auch nicht mehr. Denn da ist kein ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Jürgen Otten
Unter den zahllosen berühmten Arien aus Georg Friedrich Händels Opern und Oratorien ist sie vielleicht die berühmteste; fast jede Gesangsstudentin und jeder Counter mit Sopranstimme hat die Noten von «Ombra mai fu» irgendwann während ihrer (respektive seiner) Ausbildung auf dem Pult gehabt – einmal, weil dieses zauberhaft-versonnene Schattenstück aus Händels...
Frau von der Damerau, zunächst Ortrud, dann Brünnhilde, bald Ariadne – fühlen Sie sich stimmlich endlich im dramatischen Fach angekommen?
Nein. Ich plane eher virtuos. Deshalb habe ich auch nicht das Gefühl, dass ich irgendwo angekommen bin. Man kann in diesem Beruf nicht allein über seine Entwicklung bestimmen, man muss auch mit den richtigen Partien besetzt...
Der Tod schmeckt ungewöhnlich süß. Und er leuchtet in den zartesten Farben. Jedenfalls in diesem Moment, an diesem Ort. Dabei sind die Vorhänge geschlossen im Schlafgemach der Violetta Valéry. Also muss es wohl ein himmlisches Licht sein, das in den Raum hineinfällt: engelsgleich. Giuseppe Verdi hat dafür eine göttliche Musik geschrieben, ein Andante in cmoll, das...
