Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt
Herr Kowaljow kommt in den Himmel. Schön und gut. Aber wie kommt Herr Kowaljow in den Himmel? Im Stück steht darüber nichts, da bleibt der bedauernswerte Beamte Platon Kusmitsch die ganze Zeit auf Erden, hilf- und ratlos seinen Qualen ausgesetzt; ein Mensch, der keine Nase mehr hat und darüber so unglücklich ist, dass sein Leben vom einen auf den anderen Tag ins Chaos abrutscht. Unglücklich, das ist er auch in der Semperoper Dresden, die Ausstatter Helmut Brade für diesen zweiten Teil in eine kitschigkindliche, blauweiße Idylle verwandelt hat.
Aber anders: komischer, grotesker, absurder. Und das liegt vor allem an den hochrangig-edelmütigen Herren, die Kowaljow, und das buchstäblich, über den Wolken begegnen und die es in den irdischen Niederungen nicht gibt.
Peter Konwitschny war um abwegige Ideen nie verlegen. Auch für Dmitri Schostakowitschs Oper «Die Nase», die auf einer Erzählung von Nikolai Gogol basiert, findet er eine freche, apart-gewitzte, zudem dramaturgisch plausible Lösung: Kowaljow, durch die Widrigkeiten des Lebens aus dem Gleichgewicht geraten, nimmt sich am Ende des ersten Teils mit einer Pistole das Leben. Er kann und er will auch nicht mehr. Denn da ist kein ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Jürgen Otten
Am 22. Juli brach der Dirigent Stefan Soltesz während einer Vorstellung von Richard Strauss’ Oper »Die schweigsame Frau» im Orchestergraben des Münchner Nationaltheaters zusammen und starb wenig später. Er wurde 73 Jahre alt. Am selben Ort, fast auf den Tag genau vor 54 Jahren (am 20. Juli 1968), stürzte der Dirigent Joseph Keilberth bei einer Festspielaufführung...
Herr Pappano, die neue Spielzeit der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom startet am 18. Oktober mit «Elektra». Es ist Ihre letzte Spielzeit als Musikalischer Direktor der Accademia. Warum haben Sie gerade diese Strauss-Oper für die Spielzeiteröffnung ausgesucht?
Ich hätte die «Elektra» an Covent Garden dirigieren sollen, aber wir mussten sie aufgrund der...
Die Würdigung kam spät. Und vermutlich überraschte sie denjenigen, dem sie galt, am allermeisten. Nie je hatte der Komponist Hans-Joachim Hespos viel Aufhebens um seine Arbeit gemacht, das lag einfach nicht in seinem Naturell. Dazu muss man wissen, dass er aus dem ostfriesischen Städtchen Emden stammt, wo er am 13. März 1938 geboren wurde, aus einer Gegend also, wo...
