Ans Herz gegriffen
Der Tod kommt in Puccinis «La Bohème» erbarmungslos schlicht daher: ein knapper Harmoniewechsel ohne Trost und Verklärung. Als Mimì stirbt, fällt sie einfach vom Stuhl und bleibt zusammengekrümmt in der Mitte der Bühne liegen. Rodolfo und seine Künstlerfreunde werden in Hans Walter Richters Inszenierung mit der gesamten Kulisse von ihr weggerissen und ins Bühnen-Off gezogen. Ein eindrucksvolles Bild, das die unüberwindliche Kluft zwischen den Lebenden und den Toten deutlich macht.
Der Regisseur weiß, wo er ansetzen muss, um ans Herz zu greifen, ohne ins Sentimentale abzugleiten.
Die von Henri Burgers Roman «Scènes de la vie de Bohème» inspirierte Oper ist die wohl tränentreibendste des gesamten Repertoires, doch scheint ihr emotionaler Brennwert in Richters Deutung noch einmal gesteigert. Dabei verweigert der Regisseur konsequent alle Zutaten des modernen Regietheaters. Keine Aktualisierung, keine psychologisierende Symbolik, keine Erweiterung der Erzähldimension. Stattdessen setzen der Regisseur und sein Ausstatter Bernhard Bruchhardt auf ein traditionelles Bühnen- und Kostümbild in der naturalistischen Ästhetik vergangener Jahrzehnte. An den schmutzigen Wänden der ärmlichen ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Silvia Adler
Wie ein Todeswunsch klingt? Beispielsweise so wie in der tiefgreifenden Schmerzensszene «Pallid’ombre, che scorgete» aus dem dritten Akt von Mozarts Seria «Mitridate, re di Ponto». Doch nicht etwa in Moll-Tonart hat der Komponist dieses Recitativo accompagnato und die anschließende Cavatine der gekrönten, aber unglücklichen Königin gehüllt, wie zuvor noch in...
Gluck, so der Dirigent Ian Page im Booklet zu Ann Hallenbergs Recital, «ist einer der am meisten vernachlässigten und unterschätzten großen Komponisten, dessen Namen man häufiger in Büchern als in der Oper oder im Konzertsaal begegnet». Abseits der bekannteren Reformopern, muss man ergänzen, sogar so gut wie nie. Hallenbergs Gluck-Album ist ein Ereignis, weil es...
Einen «Kosaken» nannte Ludwig Geyer seinen offenbar äußerst lebhaften Stiefsohn Richard Wagner – und äußerte sich damit wohl aus einer Sympathie seiner Zeit heraus. Die Russen galten seit der Völkerschlacht bei Leipzig (sie fand ein halbes Jahr nach Wagners Geburt statt) als Befreier von der Knechtschaft unter Napoleon. Der Exotismus, der sich aus dem Auftauchen...
