Ans Herz gegriffen
Der Tod kommt in Puccinis «La Bohème» erbarmungslos schlicht daher: ein knapper Harmoniewechsel ohne Trost und Verklärung. Als Mimì stirbt, fällt sie einfach vom Stuhl und bleibt zusammengekrümmt in der Mitte der Bühne liegen. Rodolfo und seine Künstlerfreunde werden in Hans Walter Richters Inszenierung mit der gesamten Kulisse von ihr weggerissen und ins Bühnen-Off gezogen. Ein eindrucksvolles Bild, das die unüberwindliche Kluft zwischen den Lebenden und den Toten deutlich macht.
Der Regisseur weiß, wo er ansetzen muss, um ans Herz zu greifen, ohne ins Sentimentale abzugleiten.
Die von Henri Burgers Roman «Scènes de la vie de Bohème» inspirierte Oper ist die wohl tränentreibendste des gesamten Repertoires, doch scheint ihr emotionaler Brennwert in Richters Deutung noch einmal gesteigert. Dabei verweigert der Regisseur konsequent alle Zutaten des modernen Regietheaters. Keine Aktualisierung, keine psychologisierende Symbolik, keine Erweiterung der Erzähldimension. Stattdessen setzen der Regisseur und sein Ausstatter Bernhard Bruchhardt auf ein traditionelles Bühnen- und Kostümbild in der naturalistischen Ästhetik vergangener Jahrzehnte. An den schmutzigen Wänden der ärmlichen ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Silvia Adler
Ein Bild und seine Geschichte – mit diesem Untertitel hat der Verlag Schirmer/Mosel eine Reihe von schmalen Bändchen versehen, in dem ikonische Momente der Zeitgeschichte, Kunstwerke mit außerordentlichem Subund/oder Kontext vorgestellt werden. Dazu gehören bislang etwa die von Barbara Klemm festgehaltene Öffnung des Brandenburger Tors in Berlin am 22. Dezember...
Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» aus seinem Todesjahr 1643 hat es als einzige Oper aus der Frühzeit der Gattung zu weltweiter Popularität gebracht. Das gleichermaßen theatralisch fulminante wie respektlose Libretto mit seiner amoralischen Sex-and-Crime-Story aus dem alten Rom verabschiedet die gestelzte Mythologie und wendet sich erstmals auf der Opernbühne...
Lauscht man allein den einzelnen Da- capo-Arien der einzigen Oper dieser Komponistin im Nebenberuf, staunt man über die handwerkliche Kunstfertigkeit, das kundige Abrufen der Affekttypen, die gelehrte Erfüllung der Form: Wilhelmine von Preußen (oder auch: Wilhelmine von Bayreuth) erweist sich anno 1740 auf der Höhe Händels. Zwischen den Zeilen aber und dennoch...
