Heilige Familie
Kleinod – dieses aus der Mode gekommene Wort muss für das Opernhaus in Passau erfunden worden sein. Von außen zu erkennen ist dies nicht sofort. Das Haus verbirgt sich hinter einer klassizistischen Fassade, muss über ein langes, eher nüchternes Foyer erwandert werden, das zwei Gebäude miteinander verbindet. Dann aber betritt man von der Rückseite her einen Theaterraum, der wie von selbst zu sprechen beginnt. Er erzählt von seiner Verbindung zu Salzburg.
Hier war sein Bauherr Joseph Franz Anton von Auersperg 1763 zum Bischof geweiht worden, bevor ihn 20 Jahre später das Passauer Domkapitel zu seinem Dienstherrn wählte und er sich sofort an den Umbau des ehemaligen Ballhauses machte. Darin wurde allerdings nicht getanzt, wie man arglos annimmt und die Pressereferentin Sophia Wimmer gleich korrigiert, sondern Jeu de Paume gespielt, ein Vorläufer des Tennissports. Der Raum erzählt von seinem Architekten, Johann Georg von Hagenauer, den der Fürstbischof von Auersperg aus Salzburg mitgebracht und zum Hofbaumeister ernannt hatte. Hagenauer installierte im rechteckigen Ballhaus eine Holzkonstruktion mit zwei Logenrängen im Stil eines festlichen Gartentheaters unter einem gemalten blauen ...
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Reportage, Seite 58
von Lotte Thaler
Als Carolina López Moreno in der Titelrolle ihre Arie «In quelle trine morbide» im zweiten Akt in ein intensives piano kleidet (sie trauert hier der Zeit mit Des Grieux nach), da deutet sich schon an, dass ihr großer Schlussauftritt «Sola, perduta, abondonata» etwas Besonderes werden könnte. In der Kölner Oper im Staatenhaus kniet sie in einer Industriebrache...
Nach der Pause geht die halbe Reihe hinter uns geschlossen nach Hause. Als ob die Musik von Benjamin Britten 80 Jahre nach der Uraufführung von «Peter Grimes» noch anecken würde. Oder empört im 21. Jahrhundert ernsthaft das moralisch Graue? An der Umsetzung kann dieser Unmut nicht liegen. Robin Davis, der neue GMD der Bielefelder Philharmoniker, zeigt, dass Britten...
Yerma», das bedeutet soviel wie «ausgedörrt» und «unfruchtbar». Und es ist gewiss kein Zufall, dass auch die Titelfigur in Federico García Lorcas Drama diesen Namen trägt – eine junge Frau im ländlichen Andalusien, die sich mit Juan, den ihr Vater ausgesucht hat, nur verheiratet hat, weil sie sich in eine Mutterrolle flüchten will. Doch Jahr um Jahr vergeht, ohne...
