Heilige Familie
Von der alten Welt bleibt ein Bretterhaufen, aufgeschichtet während des Trauermarsches über der Leiche Siegfrieds, später umwabert von Trockeneis und im Flackerrotlicht. Mehr geht nicht im Passionsspielhaus, und mehr soll auch nicht sein, wie die Regisseurin findet. Unter anderem, weil der Weltenbrand light ohnehin von einem schwarzen Loch verschluckt wird: Gerade hat Alberich seinen gescheiterten Sohn Hagen erwürgt, nun tritt er an die Rampe, während die Musik im finalen Aufrauschen das Prinzip Hoffnung behauptet.
Brigitte Fassbaender nimmt damit den «Ring des Nibelungen» beim Wort. Alles darf nun von vorn losgehen – eine dunkle, böse Rundung der 15 Stunden. Gier und Bosheit überleben, aus gehabtem Schaden nichts gelernt. Minuten später könnte das tiefe «Rheingold»-Es wieder wummern.
Nicht nur die Apotheose wird beim Erler «Ring» verweigert, auch vieles andere mehr. Vor allem Ausstattungsschlachten: Es gibt keine Hinterbühne, dort sitzt bekanntlich – durch Gaze getrennt – auf einer steilen Tribüne das Orchester der Tiroler Festspiele. Rechts und links der Szene ist rudimentär Platz, manchmal, sehr selten wird etwas aus dem Dachgebälk herabgelassen. Für den «Siegfried», der in ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Markus Thiel
Das Cover, nun ja, ein bisschen arg artifiziell ist es schon. Es präsentiert eine junge Frau mit kritisch-herbem, zur Seite gerichteten, beinahe abweisenden Blick; Lippen und Teile der Schulter sind mit Goldstaub bedeckt. Aber das Bild passt zum Titel des Albums, das Robyn Allegra Parton aufgenommen hat: «Burnished Gold» bedeutet so viel wie «poliertes Gold». Und...
Jede Zeit hat ihre Geschichten. Wobei sich die Beziehungsdramen, von anno dunnemals bis in die Gegenwart, im Kern gar nicht so sehr unterscheiden. «Ein Jüngling liebt ein Mädchen, / die hat einen anderen erwählt …» In Giuseppe Verdis «Ernani» sind es gleich drei Männer, die ein- und dieselbe Frau begehren. Aber nur einen davon, den jüngsten und schönsten, liebt...
Heroinen gibt es in der Opernwelt wie Sand am Meer. Vor allem das Barockzeitalter ist prall gefüllt mit ihnen, man denke nur an Dido und Deijanira, Armida und Alcina, Rodelinda und Clorinda. Doch nicht alle dieser leidenschaftlich mit ihrem Schicksal ringenden Frauen kennt man – und noch weniger einige ihrer Schöpfer. Über Louis-Antoine Dornel beispielsweise weiß...
